Auswirkungen des Klimawandels auf Würzburg und Mainfranken

Seit Dezember 2012 verfügt die Stadt Würzburg über ein "integriertes kommunales Klimaschutzkonzept". Der BUND Naturschutz hat wesentliche Inhalte zusammengefasst:

 

Szenario:

Laut einer Studie von Prof. Dr. Jürgen Rauh und Prof. Dr. Heiko Paeth des Instituts für Geographie  und  Geologie  der  Universität Würzburg  zur  Auswirkung  des  Klimawandels  auf  die Weinwirtschaft in und um Würzburg (RAUH  J.  &  PAETH  H.,  2011) ist Würzburg bereits jetzt besonders stark von zunehmender Erwärmung betroffen. Die Erwärmungsraten sind deutlich höher als im globalen und bundesdeutschen Durchschnitt und kennzeichnen Unterfranken als Hot Spot des Klimawandels. Das regionale Klimamodell projiziert bis  zum  Jahr  2100  eine  weitere Erwärmung um ca. 5° C in den meisten Jahreszeiten. Im Mittel werden am Ende des 21. Jahrhunderts 50 Hitzetage pro Jahr mehr zu verzeichnen sein als heute. Diese Entwicklung ist für die Lebensbedingungen in Unterfranken allgemein mit großer Besorgnis zu betrachten (RAUH J. & PAETH H., 2011). Neben dem von der Studie prognostizierten Ansteigen der Sommertemperatur um ca. 5° C und der Zunahme der Hitzetage (Tage mit über 30° C) wird auch die Zahl der Tropennächte (nicht unter 20° C) ansteigen, was bei vielen Personen zu einer fehlenden Regeneration in der Nacht führen kann.

Diese Belastung durch Hitze wirkt sich vor allem dramatisch auf Kinder, Senioren oder kranke Menschen aus. Im Gefolge einer Hitzewelle ist insbesondere die Sterblichkeit bei betagten, gesundheitlich stark beeinträchtigten Menschen vorübergehend erhöht. Aber auch gesunde und widerstandsfähige StadtbewohnerInnen werden sich dann aus den Fußgängerzonen der Innenstadt zurückziehen und sich in klimatisierten Einkaufszentren, Büros oder in schattigen Parks und Bädern aufhalten. Konsequenzen sind auch im Energieverbrauch zu erkennen, da im Sommer der Kühlbedarf zur Raumklimatisierung stark zunehmen wird.

 

Ausgangslage:

Wegen der besonders ausgeprägten Kessellage Würzburgs, einer durchgängigen Riegelbebauung entlang des Mainufers sowie durch den hohen Versiegelungsgrad („steinerne Stadt“) stellt die Würzburger Innenstadt eine besonders exponierte Wärmeinsel dar. Der historische Stadtkern mit seinen vielen Steinfassaden, Straßen und vollständig gepflasterten Plätzen mit einer hohen Speicherwirkung kann die tagsüber absorbierte Sonnenwärme nachts nur langsam an die Atmosphäre abgeben. Durch mangelnde Durchlüftung und fehlende Anschlüsse an Frischluftschneisen kann auch keine kühlere Luft aus dem Umland in die Innenstadt gelangen, um diese abzukühlen. Somit ist es in der Innenstadt häufig um bis zu 5° C wärmer als im Umland und sie gilt daher als Überwärmungsgebiet. Durch die dichte Bebauung ist nicht nur die thermische sondern auch die lufthygienische Belastung für die BewohnerInnen in der Innenstadt hoch. Schadstoffe können durch mangelnden Luftaustausch schlecht abtransportiert werden.

Die Innenstadt verfügt innerhalb des Ringparks kaum über öffentliche Frei- oder Grünflächen und weist einen  hohen Grad der Oberflächenversiegelung auf. Damit verbunden ist der Grünflächenanteil gering. Dies reduziert die Verdunstung, was im Allgemeinen eine Erhöhung der Temperatur bewirkt. Bezogen auf Würzburg unterstreicht dies die große Bedeutung des Ringparks für das Stadtklima. Die kühlende Wirkung des Glacis reicht allerdings nur etwa 100 Meter in das sehr dicht bebaute Altstadt-Umfeld hinein. Kleinräumig verteilte Grünflächen mit Baumbestand könnten daher innerhalb dicht bebauter Flächen eine effektivere Kühlwirkung entfalten als außerhalb liegende, größere Parkflächen.

Die Häufigkeit von Inversionswetterlagen in Würzburg ist mit 70-80 % besonders hoch, wobei diese vor allem im Winter, im Frühjahr und Frühsommer zu beobachten sind. Durch den in diesen Fällen eingeschränkten Luftaustausch mit der Umgebung kann es besonders im Sommer drückend schwül werden. Vor diesem Hintergrund wird die vitale Bedeutung von Kaltluftschneisen deutlich.

 

Notwendige Maßnahmen:

Die Verringerung des Wärmeinseleffektes muss oberste Priorität genießen. Durch die bereits heute spürbare Wärmebelastung im Innenstadtbereich und die für Würzburg besorgniserregenden Klimaprognosen besteht hier unmittelbarer Handlungsbedarf. Gefragt ist daher die Bündelung von vorhandenen Kompetenzen zur detaillierteren Analyse der Situation und zum Erarbeiten von kurz-, mittel- und langfristigen Strategien zur Verminderung der Wärmebelastung – vor allem im Bereich der Altstadt und an weiteren Hot-Spots.

Bereits erfolgte Eingriffe, die unter dem Gesichtspunkt der Klimaanpassung negative Auswirkungen zeigen, sollten neu überdachtund im Rahmen eines Gesamtkonzeptes nachgebessert werden. Dazu zählen etwa die gescheiterte Begrünung der Straßenbahntrasse der Linie 6, die Alleefällung in der Trautenauer Straße oder die Entfernung des alten Baumbestandes am Mainufer . Zu diesen Sachverhalten sollte die Stadt eine Kommunikations-Strategie entwickeln, Nachbesserungen  vornehmen und künftig koordiniert handeln, um das Ziel einer erfolgreichen Klimaanpassung nicht durch schlecht aufeinander abgestimmte Maßnahmen zu torpedieren.

Vorgeschlagen wird die Gründung eines Netzwerkes „Stadtklima“ mit Vorstellung schon bei der Manfrankenmesse 2013, Info-Tage zur Klimaanpassung mit der Vorstellung von Ideen und Visionen wie ein begrünter Marktplatz, ein neu angelegter Badesee, Dachgärten, Springbrunnen, grüne Fassaden, solare Kühlung von öffentlichen Gebäuden, etc. Als Kooperationsprojekt mit der Landesgartenschau 2018 in Würzburg ist die Errichtung eines Klimalehrpfades mit Infotafeln zum Klimawandel auf dem Weg von der Altstadt bis zum Gelände der Landesgartenschau geplant. In die Infotafeln sollen auch Thermometer integriert  werden, die den lokalen Wärmeinseleffekt deutlich machen können.

Als erstes „Pilotprojekt“ wurde eine kreative, öffentlichkeitswirksame und kurzfristig umsetzbare Maßnahme vorgeschlagen, die zumindest punktuell zur Entschärfung der Hitzeproblematik in der Innenstadt  beitragen  könnte (Maßnahme M 5.3). Ein Wanderbaumkarree aus 25-30 Bäumen in großen Pflanzkübeln ("Wanderbäume") soll dabei im Sommer für einige Wochen auf Plätzen oder in Passagen in der Altstadt Aufstellung finden. Eine begleitende Evaluation der Maßnahmenwirkungen durch Messungen und Befragungen ist zudem angedacht. Weitere mittelfristig realisierbare Vorhaben sind die Wiederauflage eines Fassadenbegrünungswettbewerbs, die exemplarische Gestaltung eines Straßenzuges als "grüner Finger" mit verschiedenen Maßnahmen zur Klimaanpassung (u. a. Dachbegrünung, Entsiegelung von Verkehrsflächen, Umwandlung von Parkplätzen in Baumplätze, Gestaltung von Brunnen oder Wasserflächen).

Projekttitel „Stadtklima: Würzburg erfrischt“ Pilotprojekte zur Klimaanpassung:

  •  Kurz- bis langfristig: Verwendung von hellen Pflasterbelägen sowie Fassadenelementen im Stadtraum, dadurch Verringerung des Aufheizens im verdichteten städtischen Umfeld
  • Mittelfristig: Straßenplanung und Umgestaltungsvorhaben auf mögliche geeignete Begrünung und Baumpflanzung prüfen; Klimaanpassung frühzeitig in der Planungsphase berücksichtigen (z. B. Röntgenring, untere Juliuspromenade, Semmelstraße)
  •  Mittelfristig: Exemplarische Gestaltung eines Straßenzuges (Richtung LandesGartenschau-Gelände) als „grüner Finger“ mit Fassadengrün, Entsiegelung von Verkehrsflächen, Umwandlung von einzelnen Parkplätzen um Bäume zu pflanzen etc.
  • Mittel- und langfristig: Gründächer für Neubauten im Innenstadtbereich generieren (unter Berücksichtigung regenerativer Energien: Kombination mit aufgeständerten PV-Anlagen prüfen)
  • Langfristig: Offene Wasserführung /-flächen zur „Stadtkühlung“ etablieren
  • Langfristig: Weiterentwicklung des Ringparks (Entwicklung eines Gesamtkonzeptes, Brüche im Freiraumzusammenhang (Berliner Platz, Hauptbahnhof, Bereich Friedensbrücke) schließen.

Ergänzung durch BUND Naturschutz (BN): Der Stadt Würzburg liegt ein vom BN und der Stadt projektiertes Biotop- und Grünflächenverbundkonzeptes vor mit den Hauptachsen Maintal, Ringpark, Bachtäler und Trockenhänge rings um Würzburg als zentrales Element der Grünflächenentwicklung. Dieses dient auch dem Erhalt/Ausbau von Frischluftschneisen und würde bei offensiver Umsetzung die Erwärmung der Stadt reduzieren.