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Willkommen bei der Ortsgruppe Gerbrunn

Nächstes Treffen

Unser nächstes Treffen findet statt am 01.12.2021 um 20 Uhr - online (über Zoom). Interessierte sind natürlich herzlich willkommen. Bei Interesse einfach melden unter gerbrunn[at]bund-naturschutz.de

Spaziergang zu den botanischen Besonderheiten Gerbrunns

Weißes Waldvögelein, Helmknabenkraut, Salomonssiegel und Aufrechte Waldrebe – das sind nicht nur Pflanzennamen, die die Fantasie anregen, sondern botanische Besonderheiten, die bei uns in Gerbrunn vorkommen. Wenn man nicht weiß, wie sie aussehen und wo sie zu finden sind, kann man sie leicht übersehen. Um sie aufzuspüren, haben wir uns gemeinsam mit unseren Botanik-Experten Ingeborg und Klaus Hemprich auf eine kleine Exkursion vom Teich zum Flürle begeben – Corona-konform und trotz Regenwetter. Belohnt wurden wir dafür mit vielen schönen Einblicken in die heimische Pflanzenwelt. Schon der Aufstieg zum Flürle fiel nicht schwer, da der Weg alle paar Meter mit grünen Seltenheiten aufwartet. Manche wie z.B. die Aufrechte Waldrebe, die anders als die als Schlingpflanze oft nicht so beliebte Gemeine Waldrebe sehr selten ist, sind sehr unscheinbar. Auch heimische Orchideen wie das Weiße Waldvögelein lassen sich leicht übersehen. Wenn man sie aber entdeckt hat, bezaubern sie mit ihrer außergewöhnlichen Blütenform. Leider werden viele dieser Pflanzen immer seltener. Düngung und Stickstoffeintrag aus der Luft vertragen sie nicht, ihre Wuchsorte verbuschen oder Wiesen und Wegränder werden gemäht, bevor die Pflanzen Samenstände bilden können. So ging wohl auch das einzige Gerbrunner Exemplar des wunderschönen Stattlichen Knabenkrauts am Wanderweg zum Flürle verloren und der Bestand des aromatisch duftenden Diptams, an den sich die älteren Mitwanderer noch lebhaft erinnerten. Oben am Flürle angekommen wurden wir nicht nur mit einem Regenbogen belohnt, sondern auch mit einer weiteren Gerbunner Orchidee: dem Helmknabenkraut. Mit ihren hübschen rosa-violetten Blüten säumt sie dort den Weg. Ähnlich wie das Weiße Waldvögelein kommt sie in Gerbrunn mitunter wild in naturnahen Gärten vor und erfreut bei entsprechender Pflege Jahr für Jahr mit ihrem Blütenzauber. An dieser Stellen möchten wir uns noch einmal ganz herzlich bei unseren beiden Naturführern Klaus und Ingeborg bedanken und natürlich bei allen Mitwanderern, die sich auch vom Regenwetter nicht abschrecken ließen!


Biene des Monats

Letztes Jahr waren Bienen durch das Volksbegehren ein großes Thema. Beim Artenschutz ist nicht nur die Politik gefragt, auch im Kleinen kann jeder von uns etwas dazu beisteuern und, wenn es nur ein paar blühende Kräuter vor dem Fenster sind. Was unsere heimischen (Wild-)Bienen brauchen und was sie uns alles geben, das wollen wir Ihnen mit einer kleinen Reihe – der „Biene des Monats“ – in den nächsten Monaten näher bringen. Den Anfang machen wir mit einer unserer größten und auffälligsten Bienen, der Dunklen Erdhummel, die wie alle Hummeln auch zu den Wildbienen zählt.

Juli

Ich heiße: Garten-Wollbiene (Anthidium manicatum)

Ich fliege von Juni-September

Mein Traumhaus:
Da bin ich gar nicht wählerisch und nehme für mein Nest Hohlräume verschiedenster Größe und Form. Egal ob Erdlöcher, Spalten in Mauern, alten Balken oder Holzpfosten, Löcher in Lehmwänden oder verlassene Nisthöhlen von Pelzbienen – ich kann es mir an vielen Stellen gemütlich machen.

Das kann ich besonders gut…
Mit mir und meiner Familie wird es im Garten nicht langweilig. Während unsere Weibchen als fleißige Bestäuberinnen gerne an schönen Stauden wie Musakteller-Salbei, Fingerhut, Herzgespann oder Ziest unterwegs sind, bewachen unsere Männchen ihren Harem samt Futterpflanzen mit atemberaubenden Flugmanövern. Wehe, ein anderes Männchen wagt sich ins Revier, dann wird es vehement verfolgt. Auch Hummeln und andere Blütenbesucher werden gerne verjagt. Menschen gegenüber verhalten wir uns vollkommen friedlich und stören uns an Zuschauern nicht. Mit dem auffälligen schwarz-gelben Streifen und dem rasanten Schwirrflug sind wir ganz unverkennbar.

Das wünsche ich mir…
Um unsere Nester gemütlich zu gestalten, brauchen wir vor allem die „Wolle“ von filzig behaarten Pflanzen wie Woll-Ziest, Deutschem Ziest, Strohblumen oder auch Quitten. Mit den abgeschabten Pflanzenhaaren bauen wir unsere Nester. Wer uns so eine wolligen Ziest in den Garten pflanzt, darf recht sicher mit unserem Einzug rechnen. Da haben wir Nahrung und Wohnungseinrichtung in einem. Und wenn es dann noch Hohlräume in einer Trockenmauer oder Kräuterspirale gibt, ist unser Glück perfekt.

Juni

Ich heiße: Frühe Langhornbiene (Eucera nigrescens)

Ich fliege von April bis Juni.

Mein Traumhaus:
Meine Nisthöhlen grabe ich in die Erde, am liebsten an schütter bewachsenen Stellen. Dabei ist es mir egal, ob der Boden sandig oder lehmig ist – Hauptsache in der Nähe blüht die Zaunwicke oder eine ihrer Verwandten.

Das kann ich besonders gut…
Unsere Männchen bestäuben eine der wohl schönsten heimischen Orchideen: die Hummel-Ragwurz. Sie ist selten, kommt aber auf unseren fränkischen Magerrasen vor. Die Blüten dieser Pflanze ahmen mit Duft und Aussehen Langhornbienen-Weibchen nach und verführen so die Männchen, sich auf ihnen niederzulassen. Nektar finden sie dort allerdings nicht, denn die Hummel-Ragwurz gehört zu den Insektentäuschblumen. Sie täuschen paarungswilligen Insektenmännchen eine attraktive Partnerin vor und verleiten sie so zu einem Blütenbesuch.

Das wünsche ich mir…
So wie die Hummel-Ragwurz auf unsere Männchen angewiesen ist, brauchen Langhornbienen-Weibchen die Zaunwicke und ihre Verwandte. Unser Nachwuchs ernährt sich nämlich ausschließlich von Pollen bestimmter Schmetterlingsblütler. Am liebsten ist uns die Zaunwicke, aber auch Vogelwicke, Platterbse, Klee und Luzerne fliegen wir an. Wo die Zaunwicke verschwindet, können auch wir nicht mehr gut leben. Deswegen ist es für uns wichtig, dass Wiesen und Wegränder nicht mehr als zweimal im Jahr gemäht werden, wobei der erste Mahdtermin nicht vor Mitte Juni liegen sollte. Die Zaunwicke mit ihren hübschen violetten Blüten lässt sich auch im Garten gut ansiedeln. Wo sie blüht, kommen wir gerne zu Besuch. Gerade unsere Männchen mit den auffällig langen Fühlern sind echte Hingucker unter den Blütenbesuchern.

Mai

Ich heiße: Frühlings-Pelzbiene (Anthophora plumipes)

Ich fliege von März bis Juni.

Mein Traumhaus:
Meine Nisthöhlen grabe ich in Wände und Abbruchkanten aus Sand, Löss und Lehm wie an steilen Flussufern, in Sand-, Kies- und Lehmgruben, Trockenmauern oder auch unverputzte Wände, die mit Kalkmörtel oder Lehm verfugt sind. Im Insektenhotel ziehe ich gerne in künstliche Steilwände ein.

Das kann ich besonders gut…
Schnell und wendig fliegen. Ich sehe zwar aus wie eine kleine, kugelige Hummel, bin aber viel flotter unterwegs. Mein Flugstil erinnert eher an den einer Schwebfliege. Mit meinem langen Rüssel bestäube ich Frühlingsblumen wie Lerchensporn und Schlüsselblumen, an deren Nektar andere Bienen nicht herankommen. Unsere Männchen fliegen gerne in ihren Revieren Runden, auf denen sie immer wieder an den selben Blüten vorbeipatrouillieren – so gut getaktet, dass man fast die Uhr nach ihnen stellen kann.

Das wünsche ich mir…
Bei der Auswahl an Blüten, die ich für mich und meinen Nachwuchs brauche, bin ich recht flexibel. Weil ich nur im Frühjahr fliege, brauche ich Frühlingsblumen wie z.B. Schlüsselblumen, Beinwell, Lungenkraut, Lerchensporn oder Taubnesseln. Außerdem liebe ich Blaukissen. Und noch besser ist es, wenn die Blaukissen auf einer schönen Trockenmauer mit Lehmfugen wachsen. Dort grabe ich gerne meine Nisthöhlen. Auch künstliche Lösswände im Wildbienenhotel helfen mir. Wichtig ist, dass das Material locker genug ist, dass ich Löcher hinein graben kann, aber nicht zu bröselig.

 

April

Ich heiße: Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta)

Ich fliege von März bis Mai.

Mein Traumhaus:
waagrechte Löcher und Röhren mit etwa 5-9 mm Durchmesser. Egal ob Bohrlöcher in Holz und gebranntem Ton oder Schilfstängel und Pappröhrchen, solange sie trocken stehen und frei von Spreißeln oder Rissen sind, ziehe ich gerne auch in Insektenhotels ein.

Das kann ich besonders gut...
Obstbäume und -sträucher bestäuben. Manche Obstbauern siedeln mich und meine Schwestern sogar gezielt auf ihren Plantagen an. Mit meinem dichten Pelz – vorne schwarz, hinten rot – sehe ich fast aus wie eine kleine Hummel und vertrage auch kühles Wetter gut. Schon bei Temperaturen ab etwa 5°C bestäube ich fleißig Blüten, wenn es vielen anderen Blütenbesuchern noch zu kalt ist.

Das wünsche ich mir…
Auch wenn wir äußerlich den Hummeln ähneln, leben wir nicht in Staaten. Bei uns versorgt jedes Weibchen nur seine eigene Brut. Dafür müssen wir in unserer kurzen Zeit als erwachsene Biene (ca. 4-6 Wochen) genügen Pollen und Nektar sammeln, dass unsere Nachkommen sich von Larven zu fertig verpuppten Bienen entwickeln. Deswegen brauchen wir im Frühjahr genug Blüten. Neben Steinobst, Kernobst und Erdbeeren mögen wir besonders gerne blühende Weiden und Frühlingsblumen wie Krokus, Blaustern, Goldlack, Traubenhyazinthe u.ä. Sehr wichtig ist uns wie auch allen anderen Bienen, dass wir Blüten ohne Pestizide besuchen können. Außerdem freuen wir uns über einfache, gut gemachte Nisthilfen. Und keine Angst: wir stechen nicht, sondern sind sehr friedliche, fleißige Nachbarn auf Balkon, Terrasse und im Garten.

März

Ich heiße:  Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris)

Ich fliege von März bis Oktober

Mein Traumhaus:
alte Mäusenester und andere Hohlräume im Boden, gerne auch in Komposthaufen, falls die bis in den Herbst stehen bleiben

Mein Lieblingsessen:
Ich bin nicht wählerisch und mag von den ersten Krokussen über Obstbaumblüten bis hin zu blühenden Kräutern und Gemüsepflanzen viele Blumen gerne – Hauptsache sie bieten genug Nektar und Pollen.

Das kann ich besonders gut…
Niemand kann Tomaten so gut bestäuben wie ich. Mein Trick dabei ist, dass ich mich an den Blüten festhalte und mit dem ganzen Körper vibriere, so dass der festsitzende Pollen der Tomatenblüten sich löst. Deswegen werden meine Schwestern in der ganzen Welt auch in Gewächshäusern zum Bestäuben eingesetzt. Außerdem bin ich schon bei Temperaturen unterwegs, bei denen sich keine Honigbiene vor den Stock traut und kann so bei kühlem Wetter wichtige Bestäubungsarbeit leisten. Das kann ich, weil ich mich mit einer Flugmuskulatur quasi warm zittern kann und mein Pelz mich schützt.

Das wünsche ich mir…
Mehr Blüten im frühen Frühling und im Sommer. Als junge Königin bin ich nach dem Winter nämlich sehr hungrig. Da helfen mir Frühblüher wie Krokus, Blaustern und vor allem auch Weidenkätzchen, meinen Kalorienbedarf zu decken. Im Sommer, wenn Obstbäume und Rapsfelder verblüht sind, brauchen meine Kinder und ich immer noch Nahrung, aber es gibt weniger Blüten. Deswegen ist für uns wichtig, dass Wegränder und Wiesen nicht zu früh gemäht werden und in den Gärten z.B. Kräuter wie Lavendel, Thymian oder Oregano blühen.