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Ameisenbläulinge

Was haben Bläulinge mit Ameisen zu tun - noch dazu mit einer speziellen Ameisengattung, den Knotenameisen (Myrmica)?

Der Entwicklungszyklus dieser kleinen Falter aus der Familie der Bläulinge ist ziemlich komplex. Das ist auch der Grund, warum die Ameisenbläulinge auf der Roten Liste als stark gefährdet geführt werden.

Ameisenbläulinge sind in ihrem Entwicklungszyklus auf das gleichzeitige Vorkommen von zwei unterschiedlichen Arten in ihrem Lebensraum angewiesen. Die jungen Raupen fressen zunächst ausschließlich an einer bestimmten Pflanze. Später lassen sich dann von ihren Wirts-Ameisen, den Knotenameisen, in deren Nester tragen.

Eigentlich zählen Ameisen zu den natürlichen Feinden von Faltern. Die Raupen der Ameisenbläulinge haben aber einen Trick parat: Sie imitieren Ameisenlarven durch die Abgabe von Duftstoffen. Manchmal geben sie zusätzlich ein zuckerhaltiges Sekret ab, um die Ameisen zu besänftigen. Die Ameisen halten die Raupen für ihre eigene Brut und „adoptieren“ sie. Gelingt die Täuschung, trägt die Ameise die Raupe in das Ameisennest, wenn nicht wird die Raupe gefressen.

Im Nest wird die Raupe, wie die eigene Ameisenbrut, gehegt und gepflegt. Sie bleibt dort rund 10 Monate und überwintert auch im Ameisennest. Zum Dank frisst sie in ihrem Raupenleben bis zu 600 Ameisenlarven. Nach der Verpuppung wird es erneut gefährlich: 
Sobald der Falter geschlüpft ist, muss er schnell das Ameisennest verlassen, sonst fressen ihn die Ameisen.

In der Natur werden diese speziellen Lebensräume mit den geeigneten Eiablage- und Nahrungspflanzen sowie einem ausreichenden Vorkommen der Knotenameisen immer seltener.
 

Lebensräume der Ameisenbläulinge

Faktoren der Gefährdung sind unter anderem:

  • Aufgabe der extensiven Wiesennutzung und Verbrachung mit anschließender Verbuschung
  • Intensivierung der Nutzung (z.B. Entwässerung, Düngung, Umbruch von Grünland)
  • Zeitpunkt und Häufigkeit der Mahd:
    • Bei zu früher Mahd fehlen die Pflanzen zur Eiablage
    • Befinden sich die Raupen zur Mahd noch an der Pflanze, geht mit dem Abtransport des Mähguts die Brut verloren - dies kann in kurzer Zeit zur Vernichtung einer Population führen
  • Verschwinden der Knotenameisen durch zu starke Bodenverdichtung (Einsatz schwerer Maschinen) oder durch mehrjähriges Brachfallen

Artenportraits

 

 

In Franken kommen 4 Arten dieser Bläulinge vor, die weiter unten kurz vorgestellt werden.

Zur Unterscheidung der Arten ist unter anderem das Punktmuster auf der Flügelunterseite wichtig.

 


Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling

  • Rote Liste: stark gefährdet, starker Rückgang im Bestand
  • Habitat: Feuchtwiesen mit Vorkommen von Großem Wiesenknopf und Knotenameisen
  • Flugzeit: eine Generation Ende Juni bis Mitte August
  • Fraßpflanzen: ausschließlich Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis)
  • Hauptwirtsameise: Rote Knotenameise (Myrmica rubra). Sie mag es mäßig feucht bis feucht und bevorzugt eine dichte, schattige Vegetationsstruktur
  • Wissenschaftlicher Name: Phengaris nausithous

Der kleine Falter ist Schmetterling des Jahres 2026. Für sein Überleben müssen in seinem Lebensraum sowohl der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) als auch die Roten Knotenameisen (Myrmica rubra) vorkommen. 

Die Blüten des Großen Wiesenknopf dienen dem gefährdeten Falter als Nahrungsquelle, Schlaf- und Ruheplatz sowie zur Balz, Paarung und zur Eiablage. Da der einzelne Falter nur 7 bis 10 Tage lebt, muss dies alles schnell gehen. 

Nach der Paarung legt das Weibchen die Eier zwischen die Einzelblüten, wenn der Große Wiesenknopf kurz vor dem Aufblühen steht. Nach etwa 8 Tagen schlüpft die kleine Raupe und ernährt sich zunächst ebenfalls von den Blüten. Nach der dritten Häutung lässt sie sich auf den Boden fallen und läßt sich von der Roten Knotenameise in deren Nest tragen. Dort ernährt sich die Raupe von der Ameisenbrut und setzt ihren außergewöhnlichen Entwicklungszyklus fort.

Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling

  • Rote Liste: stark gefährdet
  • Habitat: Feuchtwiesen und Moorränder mit Vorkommen von Großem Wiesenknopf und Knotenameisen
  • Flugzeit: eine Generation Ende Juli bis Mitte August
  • Fraßpflanzen: ausschließlich Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis)
  • Hauptwirtsameise: Myrmica scabrinodis
  • Wissenschaftlicher Name: Phengaris teleius

Die Weibchen legen die Eier an die noch nicht blühenden, grünen Blütenköpfchen des Großen Wiesenknopfes. Als Hauptwirt wird die Knotenameise (Myrmica scabrinodis) genutzt, die eher feuchtere und schütter bewachsene Habitate bevorzugt. 

Kreuzenzian-Ameisenbläuling

  • Rote Liste: stark gefährdet
  • Habitat: Charakterart der Kalk-Halbtrockenrasen mit Beständen des Kreuzenzians
  • Flugzeit: eine Generation Mitte Juni bis Mitte August
  • Fraßpflanzen: ausschließlich Kreuzenzian (Gentiana cruciata)
  • Hauptwirtsameise: Myrmica ruginodis, Myrmica schencki
  • Wissenschaftlicher Name: Phengaris rebeli

Wie alle Ameisenbläulinge ist diese Art wenig mobil und sehr standorttreu. An guten Flugstellen sind die Knospen und Blüten des Kreuzenzians gegen Ende der Flugzeit übersät mit den kalkweißen Eiern.

Anmerkung: Der Lungenenzian-Bläuling (Phengaris alcon) sieht genauso aus. Es ist unklar, ob es sich tatsächlich um eine eigene Art handelt. P. alcon bewohnt eher feuchte Standorte mit Lungen- oder Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana pneumonanthe, G. asclepiadea).

Thymian-Ameisenbläuling

  • Rote Liste Deutschland: stark gefährdet
  • Habitat: lückig bewachsene Kalk-Magerrasen
  • Flugzeit: eine Generation Mitte Mai bis Ende August (Schwerpunkt im Juli)
  • Fraßpflanzen:
    • Arznei-Thymians (Thymus pulegioides agg.) bei eher kühlem Mikroklima
    • Gewöhnlicher Dost (Origanum vulgare) bei eher trockenwarmen Mikroklima
  • Hauptwirtsameise: Myrmica sabuleti
  • Wissenschaftlicher Name: Phengaris arion

Der Thymian-Ameisenbläuling wird in manchen Quellen auch als Quendel-Bläuling bezeichnet. Seine Wirtsameise toleriert strukturelle und mikroklimatische Veränderungen nur in engem Rahmen und wird leicht von konkurrierenden Ameisenarten verdrängt. So kann eine Überweidung oder Unterbeweidung zu trockenheißen oder zu feuchtkühlen Standortverhältnissen für die Wirtsameise führen. Ohne eine ausreichende Dichte von Wirtsameisennestern kann der Falter nicht überleben.


Grundsätzliches zur Bestimmung von Bläulingen:

Häufig sind nur die Männchen von Bläulingen blau, während die Weibchen eher braun sind (Ausnahme z. B.: Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling). Eine Bestimmung der verschiedenen Arten ist oft nur durch das Punktmuster an der Unterseite möglich. Ein Einführung in die Bestimmung von Bläulingen bietet die Seite: https://www.baldia.top/Blaeulinge-Vergleich.html

Weiterführende Links:

https://www.lfu.bayern.de/natur/bayaz/artenschutz_tiere/schmetterlinge/ahp/wiesenknopf/index.htm

https://naturpark-spessart.de/de/Naturpark/Tiere-und-Pflanzen/Ameisenblaeulinge

https://www.bfn.de/artenportraits/maculinea-nausithous

https://www.bfn.de/artenportraits/maculinea-teleius

https://www.bfn.de/artenportraits/maculinea-arion