Bund Naturschutz fordert sinnvollen Schutz des Feldhamsters

12.11.2007

Eingriffe in den Lebensraum des Feldhamsters, Umsiedelungen und notwendige Ausgleichsmaßnahmen liefern immer wieder Grund für Diskussionen. Aktuell wurde bekannt, dass die Stadt Würzburg eine Fläche für den Hamsterschutz angepachtet hat, ohne den Grundeigentümer zu fragen, was diesen entzürnte. Gleichzeitig wurde mitgeteilt, dass die Pachtverträge anscheinend nur bis in das Jahr 2008 hinein abgeschlossen wurden. Für den Bund Naturschutz ist dies ein weiterer Beleg dafür, wie sorglos mit den Belangen des Feldhamsters umgegangenen wird. Schließlich kann ein solch kurzer Pachtvertrag keinen vernünftigen Feldhamsterschutz bedeuten. Umsiedelungsmaßnahmen und lebensraumverbessernde Maßnahmen werden damit zu einer Augenwischerei.

Der Bund Naturschutz hat daher schon mit Schreiben vom 13.07.2007 an die Regierung von Unterfranken eine Anfrage zum Feldhamsterschutz gerichtet. Leider blieb diese bis zum heutigen Tage ohne Antwort. Wir nehmen die aktuellen Diskussionen daher zum Anlass unsere Anfrage an die Regierung öffentlich zu erneuern:  

1) Im Rahmen der IKEA-Planungen wurde versucht, zahlreiche Feldhamster umzusiedeln. Den Presseberichten entnehmen wir, dass die Anzahl der umzusiedelnden Feldhamster deutlich höher war als ursprünglich angenommen. Von einer entsprechenden Vergrößerung der Ausgleichsfläche war hingegen nicht die Rede. Nun wurde uns von mehreren Seiten berichtet, dass im Zeitraum der Umsiedelung auffallend viele Hamster im betroffenen Gebiet überfahren wurden.  U.E. könnte dies  mit Revierstreitigkeiten zusammenhängen, die zu einem raschen und eventuell auch fluchtartigen Abwandern  führen. Ursachen wären, dass das Gebiet, in dem die Hamster angesiedelt werden sollten,  zu klein ist (s.o.), und sich dort natürlich schon die Reviere „alteingesessener“ Feldhamster befinden.  Daraus ergeben sich weitere Fragen: Wie groß ist der tatsächliche Umfang der Abwanderungen, bzw. wie  hoch schätzen Sie die „Dunkelziffer“ derjenigen Tiere ein, die nach der Umsiedlung noch herumwandern, aber (noch) nicht überfahren wurden? Wie schätzen Sie deren Überlebenschancen ein, und damit den Erfolg der Umsiedelungsaktion? Wie ist die Auswirkung solcher Aktionen auf den Zustand der Feldhamster-Populationen einzuschätzen?  Wie wird aktuell und zukünftig sichergestellt, dass die „umgesiedelten“ Tiere eine realistische Überlebenschance haben?  

2)  Zur  aktuellen und zukünftigen Praxis des Ausgleichs für den Feldhamster: Nach unserem Wissen ist seitens Ihres Hauses mittlerweile eine andere Form des Ausgleichs vorgesehen: Das Ziel „10 Baue pro Hektar“ wird aufgegeben. Stattdessen ist ein 1:1- Flächenausgleich vorgesehen. Wir wären zunächst für eine fachliche Begründung für diesen Wechsel dankbar. Hat es dazu vertiefte Untersuchungen gegeben? Bei dem neuen 1:1-Ausgleich sollen allerdings nur 25 % der Ausgleichsfläche „hamsterfreundlich“ bewirtschaftet werden. Hier stellen sich uns eine Reihe von Fragen: Wie findet diese Bewirtschaftung statt? Was geschieht  auf den restlichen 75 %? Wie sind die Areale verschiedener Bewirtschaftung auf der Ausgleichsfläche verteilt? Und damit zusammenhängend: Was unterscheidet den „25% von 1:1“-Ausgleich von einem simplen ¼-Ausgleich, der eine dramatische Verschlechterung bedeuten würde?  Wie Sie wissen,  wird das Thema Feldhamster  in den Medien immer wieder emotional und nicht immer sachgerecht diskutiert. Oft wird der Eindruck erweckt, es handle sich um problemlose Umsiedelungen  in Luxusquartiere. Nunmehr zeigt sich, dass es sich um riskante Eingriffe in den Bestand einer vom Aussterben bedrohten Art handelt, die offensichtlich mit Verlusten verbunden sind.“

gez. Steffen Jodl Geschäftsführer

 

 

Westumgehung Würzburg

Nürnberg, 31.07.07 PM 104/LFGSt

Autobahnneubau gegen jede ökonomische und ökologische Vernunft

„Die neuste Verkehrsuntersuchung zur sogenannten B26 neu zeigt, dass hier quer durch bisher unzerschnittene Bereiche in den Landkreisen Würzburg und Main-Spessart  ein längst überholtes Mammutprojekt aus der Mottenkiste der Autobahnplaner mit ganz offensichtlich widerlegten Argumenten gegen jede Vernunft durchgedrückt werden soll. Dies ist ein Betrug an den Bürgerinnen und Bürgen der Region, ein Verbrechen an Natur und Landschaft“, so Steffen Jodl, Geschäftsführer der Kreisgruppe Würzburg des Bundes Naturschutz.

Obwohl auch in den offiziellen Verkehrsgutachten schon seit Jahren eine Sättigung des Verkehrsaufkommens für das Jahr 2020 prognostiziert wird, somit also schon in absehbarer Zeit mit deutlich sinkenden Verkehrszahlen zu rechnen ist, gilt bei der geplanten Autobahn - Westumgehung Würzburg nach wie vor die Devise „Augen zu und durch“, wird die Planung weiter forciert und wider besseres Wissen, aber auch gegen alle ökonomische Vernunft alles daran gesetzt, möglichst schnell noch vollendete Tatsachen zu schaffen.

Damit wird klar, dass viele Argumente nur Scheinargumente waren, die dazu dienten, die Autobahn in den Bundesverkehrswegeplan zu bringen. Die Bürgerinnen und Bürger der Region wurden und werden getäuscht, Gegenargumente bewusst ignoriert. So wurde ein Bedarf konstruiert, der spätestens mit der geplanten Fertigstellung der Autobahn nicht mehr existieren wird, wenn er überhaupt je existiert hat. Eine spürbare Entlastung für die A 3 oder A 71 wird es mit der neuen Autobahn nicht geben. Auch von einer Entlastung Würzburgs ist nicht mehr die Rede und die Entlastung des Werntales wird sich ebenso als Mär erweisen.

Was dann bleibt, sind ein geschlossener Autobahnkragen rund um Würzburg, zerstörte Naherholungsräume, kaputte Landschaften und Natur, eine verlärmte Region und zusätzliche Verkehrsbelastungen für zahlreiche kleine Gemeinden.

Das ganze „Paket des Wahnsinns“ kostet den Steuerzahler geschätzte 380 Millionen Euro – und das in einer Zeit, in der für den ÖPNV immer weniger Geld zur Verfügung steht und zahlreiche bestehende Straßen aus Kostengründen kaum noch vernünftig saniert werden können.

Der Bund Naturschutz wird den Widerstand gegen diese unsinnige Autobahn nicht aufgeben und ruft alle Bürgerinnen und Bürger ebenso wie die betroffenen Gemeinden auf, jetzt nicht vorschnell zu resignieren und sich mit einer ohnehin nur marginalen Schadensbegrenzung zufrieden zu geben. Schließlich hat sich bei der Vorstellung der neuen Verkehrsuntersuchung erst wieder gezeigt, dass der jahrelange Widerstand mehr als gerechtfertigt war.

„Auch deshalb besteht jetzt erst recht kein Anlass, für eine derart offensichtliche sachliche wie politische Fehlplanung das Feld zu räumen“ – so Helmut Schultheiß, der Regionalreferent des Bundes Naturschutz.

Die Erhaltung unserer unterfränkischen Kulturlandschaft gerade auch für künftige Generationen sind den weiteren Einsatz allemal wert!

 

gez. Helmut Schultheiß (Regionalreferent für Unterfranken);  gez. Steffen Jodl (Geschäftsführer d. Kreisgruppe Würzburg)

 

 

Autobahnneubau gegen jede ökonomische und ökologische Vernunft

31.07.2007

„Westumgehung Würzburg“

Autobahnneubau gegen jede ökonomische und ökologische Vernunft

„Die neuste Verkehrsuntersuchung zur sogenannten B26 neu zeigt, dass hier quer durch bisher unzerschnittene Bereiche in den Landkreisen Würzburg und Main-Spessart  ein längst überholtes Mammutprojekt aus der Mottenkiste der Autobahnplaner mit ganz offensichtlich widerlegten Argumenten gegen jede Vernunft durchgedrückt werden soll. Dies ist ein Betrug an den Bürgerinnen und Bürgen der Region, ein Verbrechen an Natur und Landschaft“, so Steffen Jodl, Geschäftsführer der Kreisgruppe Würzburg des Bundes Naturschutz.

Obwohl auch in den offiziellen Verkehrsgutachten schon seit Jahren eine Sättigung des Verkehrsaufkommens für das Jahr 2020 prognostiziert wird, somit also schon in absehbarer Zeit mit deutlich sinkenden Verkehrszahlen zu rechnen ist, gilt bei der geplanten Autobahn - Westumgehung Würzburg nach wie vor die Devise „Augen zu und durch“, wird die Planung weiter forciert und wider besseres Wissen, aber auch gegen alle ökonomische Vernunft alles daran gesetzt, möglichst schnell noch vollendete Tatsachen zu schaffen.

Damit wird klar, dass viele Argumente nur Scheinargumente waren, die dazu dienten, die Autobahn in den Bundesverkehrswegeplan zu bringen. Die Bürgerinnen und Bürger der Region wurden und werden getäuscht, Gegenargumente bewusst ignoriert. So wurde ein Bedarf konstruiert, der spätestens mit der geplanten Fertigstellung der Autobahn nicht mehr existieren wird, wenn er überhaupt je existiert hat. Eine spürbare Entlastung für die A 3 oder A 71 wird es mit der neuen Autobahn nicht geben. Auch von einer Entlastung Würzburgs ist nicht mehr die Rede und die Entlastung des Werntales wird sich ebenso als Mär erweisen.

Was dann bleibt, sind ein geschlossener Autobahnkragen rund um Würzburg, zerstörte Naherholungsräume, kaputte Landschaften und Natur, eine verlärmte Region und zusätzliche Verkehrsbelastungen für zahlreiche kleine Gemeinden.

Das ganze „Paket des Wahnsinns“ kostet den Steuerzahler geschätzte 380 Millionen Euro – und das in einer Zeit, in der für den ÖPNV immer weniger Geld zur Verfügung steht und zahlreiche bestehende Straßen aus Kostengründen kaum noch vernünftig saniert werden können.

Der Bund Naturschutz wird den Widerstand gegen diese unsinnige Autobahn nicht aufgeben und ruft alle Bürgerinnen und Bürger ebenso wie die betroffenen Gemeinden auf, jetzt nicht vorschnell zu resignieren und sich mit einer ohnehin nur marginalen Schadensbegrenzung zufrieden zu geben. Schließlich hat sich bei der Vorstellung der neuen Verkehrsuntersuchung erst wieder gezeigt, dass der jahrelange Widerstand mehr als gerechtfertigt war.

„Auch deshalb besteht jetzt erst recht kein Anlass, für eine derart offensichtliche sachliche wie politische Fehlplanung das Feld zu räumen“ – so Helmut Schultheiß, der Regionalreferent des Bundes Naturschutz.

Die Erhaltung unserer unterfränkischen Kulturlandschaft gerade auch für künftige Generationen sind den weiteren Einsatz allemal wert!

 

gez. Helmut Schultheißgez. Steffen Jodl
Regionalreferent für Unterfranken

Geschäftsführer
d. Kreisgruppe Würzburg

Persilschein für den Elch?

22.06.2007

Bund Naturschutz kritisiert Planungen für das Würzburger IKEA-Projekt, sieht aber Teilerfolg.

Einen Dämpfer musste die Stadt Würzburg in Hinblick auf ihre Planungen im Würzburger Nordosten hinnehmen. Diese hatte bei der Regierung von Unterfranken die Genehmigung von Eingriffen in alle in der 77. Änderung des Flächennutzungsplanes enthaltenen Lebensraum-Flächen des Feldhamsters beantragt.  Die Regierung von Unterfranken hat diese Befreiung jedoch nur für das IKEA-Vorhaben und den Anschlussknoten an die B 19 in Aussicht gestellt (sowie für die Vorhaben auf Lengfelder Seite). Nicht in Aussicht gestellt hat sie diese für die geplanten Gewerbegebiete auf Versbacher Seite, und für die zweite, hintere Erschließung für Ikea und Gewerbegebiete. Dies wird mit der Sorge um den Erhalt der Feldhamsterpopulation begründet und mit der Tatsache, dass der Stadt genug andere Möglichkeiten zur Verfügung stehen, Gewerbegebiete in feldhamsterschonender Weise zu errichten.  Karin Miethaner-Vent , 1. Vorsitzende der Kreisgruppe Würzburg, sieht darin einen „wichtigen Teilerfolg für unsere Arbeit“.

Dennoch kündigt die Stadt Würzburg in den vorliegenden Planunterlagen nicht nur an,  diese Vorhaben zu einem späteren Zeitpunkt erneut anzugehen, sie bekräftigt die von der Regierung verworfenen Ziele und Argumente auch noch mehrfach..  Dies ist nicht nur offene „Salamitaktik“, - nach Ansicht des Bundes Naturschutz stellt sie damit auch die Zulässigkeit der jetzigen Planung in Frage.

Kritik übt der Bund Naturschutz aber auch an der von der Regierung von Unterfranken erlassenen positiven landesplanerischen Beurteilung für das IKEA-Vorhaben mit B19-Knoten und Anbindung an Lengfeld.

„Hier soll auf landwirtschaftlich besten Böden, inmitten des Lebensraumes, des vom Aussterben bedrohten Feldhamsters, eines der größten IKEA-Einrichtungshäuser für ganz Deutschland entstehen – und nur deshalb an diesem Standort, damit IKEA für seine Kunden schon aus der Ferne sichtbar und über die Autobahnen A71 und A3 leicht erreichbar ist“, so Hubert Weiger , Landesvorsitzender des Bundes Naturschutz in Bayern e.V..

Dass mit diesem „Quasi-Persilschein“ eine weitere Verkehrsbelastung mit allen negativen Folgen verbunden sein wird, wird von der Stadt Würzburg und der Regierung von Unterfranken einfach ignoriert. „Damit zeigt sich die Inkonsequenz der Stadt Würzburg, zum Beispiel bei dem erklärten Ziel einer Verkehrsreduzierung auf dem Mittleren Ring“, erläutert Steffen Jodl, Geschäftsführer der Kreisgruppe Würzburg. Den Preis zahlen die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Würzburg und umliegender Gemeinden wie Höchberg oder Rimpar sowie Natur und Landschaft.

Unverständlich ist auch die Konsequenz, welche die Stadt Würzburg aus den demografischen Veränderungen zieht:  Man  müsse expandieren, um keine Abwanderungen hinnehmen zu müssen.

So konstruiert man „zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses“ an den Planungen, welche nötig sind, um in den Hamsterlebensraum eingreifen zu können. Diese sind jedoch umso weniger stichhaltig, als sich gerade im Hinblick auf die demografische Entwicklung die Gemeinden hüten müssen, neue Infrastruktur nach außen zu verlagern, sondern ganz im Gegenteil gefordert sind, ihre innere Entwicklung zu stärken.

Zudem ist kurz – bzw. mittelfristig zu erwarten, dass riesige Konversionsflächen in Würzburg leer stehen werden, während zugleich die Bevölkerung schrumpft und altert. Ein weiteres „Expandieren“ nach außen ist schon deshalb ein völlig verfehlter Ansatz und dient auch nicht ansatzweise dem öffentlichen Interesse!

Nach Auffassung des Bundes Naturschutz ist auch die notwendige  Alternativenprüfung völlig unzureichend, da nur die  Bewertungsmaßstäbe des Investors unreflektiert zur Anwendung kamen.

Dies gilt umso mehr, als nach geltender Rechtsprechung dem Investor nicht unerhebliche Abstriche am Planungsideal zugemutet werden können, wenn ein Alternativstandort oder eine Ausführungsalternative mit erheblichen Gewinnen für den Schutz der Natur (hier: Hamster) verbunden ist.

Damit wird klar, dass das Vorhaben IKEA den Vorgaben der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie klar widerspricht.

Karin Miethaner-Vent , 1. Vorsitzende der KG Würzburg

Helmut Schultheiß, Regionalreferent für Unterfranken

 

Wasserschutz auf dem Prüfstand

01.06.2007

Der Schutz des Wassers genießt höchste Priorität, zumindest wenn man den politischen Forderungen glauben schenken darf:

"Bayern muss nach den Worten von Ministerpräsident Edmund Stoiber Vorreiter für gesunde Luft, sauberes Wasser und beim Klimaschutz sein" (Main-Post vom 22.5. 2007). Umweltminister Schnappauf sagte bei der Übergabe des Trinkwasserschutzberichtes für Unterfranken am 26.04.2007: "Die genutzten Trinkwasservorräte müssen in ganz Bayern dringend geschützt werden." (Redemanuskript im Internet). Das Landesentwicklungsprogramm schreibt den Vorrang des Trinkwasserschutzes vor allen anderen Interessen vor und auch die EU-Wasserrahmenrichtlinie fordert einen effektiven Grundwasserschutz. Grundwasser ist Hauptlieferant für unser Trinkwasser.

Und wie schaut die Realität aus:
Einen Tag vor der Rede von Minister Schnappauf schreibt Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer in einem Brief vom 25.04.2007an den Bund Naturschutz / Ortsgruppe Zell am Main, dass die Verlegung der Hettstadter Steige zu teuer und eine ersatzlose Schließung nicht realisierbar sei. "Unter Abwägung aller Gesichtspunkte kam deshalb die Regierung von Unterfranken zu der Auffassung, dass derzeit weder eine Auflassung der Hettstadter Steige noch die Weiterführung der Planung auf der Grundlage der Machbarkeitsstudie zu vertreten ist."

20 Jahre nach der Forderung vom damaligen WVV-Direktor Karl Heinz Utschig können die Zeller Quellen, die bis zu 70% zur Würzburger Trinkwasserversorgung beitragen, immer noch nicht konsequent geschützt werden, weil sich angeblich keine Verkehrsalternative finden lässt. Trotz der Unterstützung der historischen Forderung nach einem konsequenten Wasserschutz mit der Auswirkung auf den Verkehr durch die Stadt Würzburg, der WVV, der Marktgemeinde Zell am Main und dem Bund Naturschutz wurde die Hettstadter Steige nur "provisorisch gesichert".

Dies bedeutete eine Verbreiterung der Straße von 6,5 auf 13,0 Meter und die Anbringung von Betongleitwänden. Bei der Wiedereröffnung 1999 hatte der damalige Regierungspräsident Dr. Vogt eine Machbarkeitsstudie zugesagt. Diese sollte nicht untersuchen, ob die Straße verlegt wird, sondern wohin diese verlegt werden soll. Seitdem lebt man mit dem Prinzip Hoffnung, dass die Quellen nicht durch einen Unfall kurzfristig ausfallen. Die provisorischen Maßnahmen sollen als endgültig deklariert werden.

Der Bund Naturschutz kann dieses Ergebnis nicht akzeptieren. Genauso sehen es der Würzburger Stadtrat sowie der Zeller und der Höchberger Marktgemeinderat.

Hinsichtlich einer prognostizierten Zunahme der Sommertrockenheit, ist auch die Quantität des Grundwassers von entscheidender Bedeutung. Kritisch sieht der Bund Naturschutz daher die zunehmende Nutzung von Grundwasser zur Bewässerung von Gemüsefeldern nordöstlich von Würzburg. Dort werden zunehmend neue Brunnen gebohrt, um den Gemüseanbau trotz Niederschlagsarmut zu ermöglichen (in diesem Bereich haben wir bayernweit die geringsten Niederschlagsmengen). Der versiegende Quellbereich der Kürnach scheint hier seine Ursache zu haben. Ähnlich ist die Situation an der Pleichach. Nur mit dem niederschlagsarmen Jahr 2003 kann dies sicher nicht begründet werden, denn die Wasserstände waren zum Beispiel im Jahr 2004 im Quellbereich der Kürnach höher als jetzt. Effiziente Kontrollen der Wasserentnahme und der Tiefe der gebohrten Brunnen scheint es wohl nicht zu geben. Daher fordert der Bund Naturschutz die zuständigen Genehmigungs- und Fachbehörden für die Entnahme von Grundwasser auf, die Vorgaben zum Grundwasserschutz ernst zu nehmen und die Grundwasserentnahme auf ein nachhaltiges Maß zu reduzieren. Hierzu sind wirksame Kontrollen nötig.

gez. Sebastian Schönauer
Stellvertretender Landesvorsitzender des Bundes Naturschutz in Bayern e. V. (BN)
Landesvorsitzender der Interessengemeinschaft Kommunale Trinkwasserversorgung in Bayern (IKT)
1. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Hafenlohrtal (AGH)
Sprecher des Landesarbeitskreises Wasser des Bundes Naturschutz in Bayern e.V. (BN)
Sprecher des Bundesarbeitskreises Wasser des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND)

gez. Norbert Herrmann
Mitglied des Kreisvorstandes der BN-Kreisgruppe Würzburg
1. Vorsitzender BN-Ortsgruppe Zell a. Main

gez. Steffen Jodl
Geschäftsführer BN-Kreisgruppe Würzburg

 

 

Trinkwasservorkommen benötigt effizienten Schutz!

05.03.2007

7 Jahre nach der Eröffnung der provisorisch gesicherten Hettstadter Steige hat die Regierung von Unterfranken die längst versprochene Machbarkeitsstudie zur Verlegung der Hettstadter Steige vorgelegt. Dies war keine Gefälligkeit gegenüber den Stadtwerken oder dem Bund Naturschutz, sondern eine Zusage der Politik, um die Würzburger Trinkwasserversorgung langfristig zu sichern. Der Trinkwasserschutz hat zwar Auswirkungen auf den Verkehr, aber die Lösung der Verkehrsprobleme im westlichen Landkreis war nicht die originäre Aufgabe.

In der Machbarkeitsstudie kommt man jetzt zum Schluss, dass die Varianten mit 180 Millionen Euro zu teuer kämen. Aus Sicht des Bund Naturschutz scheint dies hochgerechnet zu sein, damit sich keiner mehr mit dem Thema beschäftigt. Es würde aber auch eine Kapitulation der Trinkwasserversorgung vor dem Verkehr bedeuten, wenn in einem Nebensatz die Sperrung der Hettstadter Steige als die beste Lösung für die Zeller Quellen bezeichnet wird, das Gutachten aber zum Schluss kommt, dass die Verlegung zu teuer sei.

Mit keiner Überlegung ist auch die europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) erwähnt. Die Regierung von Unterfranken, mit der Aktion Grundwasserschutz immer vorbildlich aktiv, muss in diesem Jahr auf grund der WRRL Gefahrenpotentiale für den Grundwasserschutz benennen und Vorschläge machen, wie man die Gefährdungen bis zum Jahre 2015 beseitigen kann.

Dabei werden die Zeller Quellen, ein Hauptstandbein der Würzburger Trinkwasser-versorgung, immer wichtiger. Beim Klimawandel zeichnet sich ein Trend zu feucht-warmen Wintern und heißen Sommern mit langen Trockenperioden ab. Und genau in den Sommermonaten liefern die Zeller Quellen das meiste Wasser. Es gilt also nicht abzuwägen, ob eine Verkehrslösung zu teuer ist, sondern was Würzburg und die Region für die Trinkwasserversorgung aufwenden müssten, wenn die Zeller Quellen wegen eines Verkehrsunfalles ausfallen würden.

Würzburg hat am Ende des 19. Jahrhunderts enorme Anstrengungen gemacht, um dieses Trinkwasserpotential zu erschließen. Jetzt ist es an der Zeit, dieses Trinkwasservorkommen langfristig zu sichern!

Karin Miethaner-Vent 1. Vorsitzende 

 

 

Autofahrer aufgepasst: Die Amphibienwanderung beginnt!

22.02.2007

Die milden Temperaturen locken die Amphibien in diesem Jahr schon frühzeitig zu den Laichgewässern. Weil ihre angestammten Wanderwege aber häufig von Straßen zerschnitten sind, kommen viele Amphibien "unter die Räder".

Als Gegenmaßnahme errichten freiwillige Helferinnen und Helfer des Bundes Naturschutz auch dieses Jahr wieder Amphibienschutzzäune an den betroffenen Straßenabschnitten, gehen diese Zäune Schritt für Schritt ab, sammeln die Amphibien ein und tragen diese auf die andere Straßenseite oder in Ersatzlaichgewässer. Mehr als 10.000 Amphibien wurden so im vergangenen Jahr von Mitgliedern des Bundes Naturschutz vor dem sicheren Straßentod gerettet.

Häufig sammeln unsere Helferinnen und Helfer bis tief in die Nacht und sind somit ebenfalls den Gefahren des Straßenverkehrs ausgesetzt. Um Unfälle zu vermeiden, bitten wir daher alle AutofahrerInnen, die entsprechenden Geschwindigkeitsbeschränkungen und Hinweisschilder mit dem Amphibienzeichen zu beachten und besonders vorsichtig zu fahren. Im Landkreis Würzburg sind vor allem folgende Straßen betroffen:

  • Ortsverbindung Randersacker - Lindelbach
  • Ortsverbindungen Rimpar - Güntersleben - Gramschatz
  • Ortsverbindung Reichenberg - Kist
  • Ortsverbindungen von Greußenheim nach Hettstadt, Uettingen und Oberleinach
  • Ortsverbindung Leinach - Zellingen
  • Ortsverbindung Erlach - Kaltensondheim
  • Kleinrinderfeld/Limbachshof
  • Ortsverbindung Heidingsfeld – Winterhausen
  • Ortsverbindung Margetshöchheim - Erlabrunn

In der Stadt Würzburg finden die Wanderungen zum Beispiel im Bereich Spittelbergweg, an der Giebelstädter Steige (Golfplatz), im Hinteren Steinbachtal und zwischen Ober – und Unterdürrbach statt.

Dipl.-Biol. Steffen Jodl
Geschäftsführer

 

 

Umweltbilanz 2006

14.02.2007

Bund Naturschutz Würzburg - 4000 Mitglieder und Förderer - 29 Ortsgruppen in Stadt und Landkreis Würzburg - 9 Kinder- und Jugendgruppen – eine Lobby für unsere Natur und Umwelt

Umweltbilanz 2006
Der voranschreitende Klimawandel wurde inzwischen zu einem großen Thema. Die Kreisgruppe Würzburg des Bundes Naturschutz betrachtet daher das Jahr 2006 auch unter diesem Gesichtspunkt und stellt fest, dass Klimaschutz auch in unserer Region häufig eine zu geringe Beachtung findet. Unter dem Deckmantel der Entlastung für die Bürger oder der Schaffung von Arbeitsplätzen werden klimaschädliche Projekte vorangetrieben, als wenn es die Warnungen der Klimaforscher vor den extremen Folgen des Klimawandels nicht geben würde:

Straßenausbau hat weiter Vorrang vor intelligenten Lösungen
So wurde im Jahr 2006 die Planfeststellung für den Ausbau der A3 durchgeführt. Nahezu der gesamte Streckenabschnitt im Landkreis Würzburg ist inzwischen planfestgestellt. Im Januar 2007 begannen schon die ersten Rodungsarbeiten bei Kist. Der nun voranschreitende monumentale Ausbau auf bis zu 10 Spuren (!) wird zu einem weiteren Verkehrszuwachs führen, der Ausstoß von CO2 wir dadurch weiter erhöht. Allein im Abschnitt zwischen Kist und der Anschlussstelle Heidingsfeld werden netto über 90.000 qm Fläche neu versiegelt und an die 90.000 qm Bannwald, der für den Klimaschutz von Bedeutung ist, gerodet.

Festhalten am klimaschädlichen Flugbetrieb
Noch immer wird versucht, den von den US-Amerikanern aufgegebenen Flugplatz Giebelstadt zivil zu nutzen. Vor allem zu Gunsten von nur drei Firmen soll der Betrieb aufrecht erhalten werden. Mancher träumte schon von einen zweiten "Frankfurt/Hahn". Klimaschutz und auch der Schutz der umliegenden Wohnbevölkerung vor Lärm und Abgasen rückte zu Gunsten der Wirtschaft wieder einmal in den Hintergrund. Da erscheint es schon grotesk, dass diese Entwicklung vorerst nur durch Altlasten auf dem Gelände des Flugplatzes aufgehalten wurde.

Autogerechte Einkaufsmärkte weiter auf dem Vormarsch
Mit der geplanten Ansiedlung von IKEA im Nord-Osten Würzburgs setzt sich die klimaschädliche Politik fort. 140.000 qm ackerbaulich wertvollste Böden im Lebensraum des bedrohten Feldhamsters würden durch die Maßnahme versiegelt und gleichzeitig neue Verkehrsströme angekurbelt werden. Auch die Strecke von der A 3 über den Mittleren Ring Richtung Greinberg und die Veitshöcheimer Straße würden eine zusätzliche Verkehrsbelastung erfahren. Der Klimaschutz bleibt wiederholt auf der Strecke.

Bürgerentscheid
Auch ein Erfolg der Arbeit des BN in der Bürgerinitiative "Ringpark in Gefahr" war der Bürgerentscheid durch den auch die "Wiederherstellung des Ringparks" festgeschrieben wurde.

Dass Klimaschutz ein zentrales Anliegen des Bundes Naturschutz war und ist, wird auch bei einem Blick in unser Bildungsprogramm deutlich:

Umweltbildung für Klimaschutz und Naturerfahrung
Veranstaltungen wie "Photovoltaik für Einsteiger", "Nachträgliche Wärmedämmung", "Wärme aus Sonne und Holz", "Energiepass für Gebäude", "Energiesparkonzepte für Alt- und Neubauten" oder "Wohngesundes Energiesparhaus" sind nur einige Beispiele für unser umfassendes Engagement in diesem Bereich.
Etwa 3200 Besucher nutzen unser insgesamt breit gefächertes Bildungsangebot im Ökohaus Würzburg mit rund 190 Veranstaltungen.
Naturerfahrung und das Kennenlernen von Pflanzen und Tieren wurde erwachsenen- und kindgerecht verpackt und fand wieder ein großes Interesse. Das Familienprogramm und die zahlreichen Exkursionen tragen mit dazu bei die Menschen für den Erhalt von naturnahen Flächen und Landschaften zu sensibilisieren.
Das Programm für Schulklassen und Kindergärten nutzten diesmal 74 Gruppen. Hier wurden Kunstwerke aus Blättern, Ästen und Steinen gestaltet, Tierspuren im Wald gesucht oder das Leben im Teich und auf der Wiese spielerisch kennengelernt.
In Zusammenarbeit mit dem Stadtjugendamt bot der Bund Naturschutz ein Pfingstferienprogramm zum spielerischen Kennenlernen von Pflanzen und Tieren an, das eine rege Teilnahme fand.
In der Agenda 21 wirkten wir wieder engagiert mit, z. B. bei Fortbildungsveranstaltungen für Agenda 21-Aktive in Unterfranken – in Kooperation u. a. mit dem Matthias-Ehrenfried-Haus und dem Umweltbeauftragten der Diözese Würzburg.
Ein Höhepunkt der Umweltbildungsarbeit des Bundes Naturschutz im Ökohaus Würzburg war im Dezember 2006 die Verleihung der Dachmarke Umweltbildung Bayern - einem Label für eine qualitativ besonders gute Umweltbildungsarbeit - durch das Bayer. Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz.

Bei allem Einsatz für den Klimaschutz, engagiert sich der Bund Naturschutz natürlich auch weiterhin im Arten- und Biotopschutz:

Arten- und Biotopschutz mit viel ehrenamtlichem Engagement
Vor allem durch das ehrenamtliche Engagement unserer Mitglieder wuden wieder über 30 ha Fläche vom Bund Naturschutz gepflegt werden. Vor allem unsere 29 Ortsgruppen, die sich mit viel Einsatz für den Erhalt unserer Kulturlandschaft einsetzen, sind hierbei eine tragende Säule. In rund 1500 ehrenamtlichen Arbeitsstunden wurden Streuobstwiesen, Schilfflächen und Halbtrockenrasen gemäht, Hecken und Bäume gepflanzt, Kopfweiden gepflegt und Gewässer unterhalten. Damit leistete der Bund Naturschutz einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung seltener Tier- und Pflanzenarten sowie des Landschaftsbildes, von dem letztendlich auch alle Bürgerinnen und Bürger profitieren. Durch die Betreuung von rund 3,5 km Amphibienschutzzäunen bei Wind und Wetter wurden tausende Amphibien vor dem sicheren Straßentod bewahrt.

gez. Karin Miethaner-Ventgez. Steffen Jodlgez. Klaus Isberner
1. Vorsitzende GeschäftsführerBildungsreferent

Verleihung der Umweltlinde an Dr. Uwe Buschbom

v.l.n.r. Dr. Uwe Buschbom, Geschäftsführer Steffen Jodl und die erste Vorsitzende der Kreisgruppe Würzburg Karin Miethaner-Vent

14.02.2007

Die Kreisgruppe Würzburg des Bundes Naturschutz zeichnet Herrn Dr. Uwe Buschbom aufgrund seines großen Engagements für den Naturschutz mit der Umweltlinde aus.

Herr Dr. Buschbom ist seit 1974 Mitglied des Naturschutzbeirates und hat in dieser Zeit zahlreiche Anträge auf Unterschutzstellung naturschutzfachlich wertvoller Flächen gestellt und vorangetrieben. So ist es ihm zu verdanken, dass südlich des rasch wachsenden Stadtteiles Heuchelhof das Naturschutzgebiet "Bromberg-Rosengarten" ausgewiesen wurde. Schon 1973 gab er der Stadtverwaltung erste Hinweise auf die Schutzwürdigkeit des Gebietes, in dem in früheren Zeiten Muschelkalkblöcke abgebaut wurden. 1983 folgte sein Antrag, das Areal als Naturschutzgebiet auszuweisen. 1985 wurde der "Bromberg-Rosengarten" dann zum ersten Naturschutzgebiet Würzburgs ausgewiesen. Zwischenzeitlich umfasst das Naturschutzgebiet eine Fläche von 36,3 ha und ist Teil des europaweiten Schutzgebietsnetzes "Natura 2000". Die enge Verzahnung verschiedener Vegetations- und Nutzungsstrukturen schafft Lebensraum für zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten. So findet man dort den Fransen-Enzian, die Kalkaster oder den kleinen Eisvogel (eine Schmetterlingsart) und die Leinwildbiene (kommt in Unterfranken sonst nur noch im Lkr. Main-Spessart vor). Dass die Wertigkeit des Gebietes über die vergangenen Jahre erhalten und sogar verbessert werden konnte, ist insbesondere auf seine fachliche Anleitung der dortigen Biotoppflege zurückzuführen. Das Engagement Herrn Dr. Buschboms für dieses Gebiet hält unvermindert an. So führt er dort zahlreiche Führungen für die Fachwelt aber auch für die breite Öffentlichkeit durch und dokumentiert als Biologe die Entwicklung von seltenen Pflanzen und Veränderungen im Gebiet für die Nachwelt.

Das Engagement Herrn Dr. Buschboms beschränkte sich jedoch bei weitem nicht nur auf den "Bromberg-Rosengarten". So war ein weiterer Erfolg die Ausweisung des Tuff-Steilhanges zwischen Schifferkinderheim und Kloster Oberzell zum Naturdenkmal. Mit zahlreichen Untersuchungen und Dokumentationen ökologisch wertvoller Flächen erarbeitete Herr Dr. Buschbom unterfrankenweit grundlegende Informationen, die dazu beitrugen, negative Veränderungen in Schutzgebieten zu erkennen, Bedrohungen durch geplante Eingriffe abzuwehren oder zumindest zu minimieren. Die Durchführung von Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer oder Förster, die Sicherung seltener/gefährdeter Arten durch den Aufbau einer regionalen Samenbank, die Erhaltung alter Nutzpflanzen und vieles mehr, runden das herausragende Engagement Herrn Dr. Buschboms für den Naturschutz ab.

 

Steffen Jodl

Geschäftsführer