Ausverkauf in Eisenheim

10.09.2001

Schutzgebiete sollen bebaut werden
Mitten im Landschaftsschutzgebiet "Volkacher Mainschleife" und dem bedeutendsten Vorkommen für die Nachtigall im Landkreis Würzburg (Uhlich, Landesbund für Vogelschutz) plant der Markt Eisenheim, Lkr. Würzburg, die Ausweisung von über 17 ha Wohnbau-, Gewerbe- und Sondergebieten. Im Regionalplan ist dieses Gebiet auch als landschaftliches Vorbehaltsgebiet festgelegt, da hier die wertvollsten Landschaftsteile liegen. Den Belangen von Naturschutz und Landschaftspflege kommt somit ein besonders Gewicht zu. Aufgrund ihrer hohen naturschutzfachlichen Wertigkeit, hatte die Bayerische Staatsregierung diese Flächen gemäß Flora-Faua-Habitat-Richtlinie (FFH) sogar in eine bayernweite FFH-Gebietsmeldeliste aufgenommen, die an die Europäische Union (EU) zu melden ist. Ziel ist hierbei die Bildung eines zusammenhängenden, europäischen, ökologischen Netzes von besonderen Schutzgebieten mit der Bezeichnung "NATURA 2000". An die EU wurde aber nur ein Teil der ursprünglich vorgesehenen Flächen gemeldet. Die Gründe werden nun offensichtlich. Schließlich plant der Markt Eisenheim auf diesen Flächen neue Baugebiete. Nach EU-Recht ist jedoch das ganze Gebiet als FFH-Gebiet anzusehen, da bei der Flächenauswahl nur naturschutzfachliche Argumente angewendet werden dürfen.
Doch selbst die tatsächlich an die EU gemeldeten Flächen will der Markt Eisenheim nicht verschonen. Direkt am Main – gemeldetes (!) FFH- und Vogelschutzgebiet – soll ein Campingplatz (ca. 2,3 ha) entstehen.
Der Bund Naturschutz fordert den Markt Eisenheim auf, von diesen natur- und landschaftszerstörenden Vorhaben Abstand zu nehmen. An das Landratsamt Würzburg richtet er den eindringlichen Appell, sich eindeutig für den Erhalt dieser wertvollen Flächen auszusprechen. Eine erneute Entscheidung gegen ein Landschaftsschutzgebiet wie im Taubertal und nun auch noch zusätzlich gegen FFH-Gebiete wäre eine Bankrotterklärung für den behördlichen Naturschutz.

Dipl.-Biol. Steffen Jodl
Geschäftsführer

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Veitshöchheimer Gymnasium aus dem Stand an die Spitze

19.07.2001

Schulsammlungen unterstützen Arbeit des Bundes Naturschutz

Als von Politik und Wirtschaft unabhängiger Naturschutzverband ist der Bund Naturschutz besonders auf Spenden zur Finanzierung seiner gemeinnützigen Arbeit angewiesen. Der Ankauf und die Pflege von ökologisch wertvollen Flächen sind zentrale Aufgaben, die durch diese Einnahmen erst ermöglicht werden. Auch eine Stelle für ein freiwilliges ökologisches Jahr und zwei Zivildienstleistende werden über Spendegelder mitfinanziert. "Die alljährliche Schulsammlung ist hierbei eine tragende Säule", so Steffen Jodl, Geschäftsführer der Kreisgruppe Würzburg.
Neun Schulen engagierten sich in diesem Jahr bei der Sammlung für den Bund Naturschutz.
11.589,73 DM wurden von insgesamt 318 Schülerinnen und Schülern in Stadt und Landkreis Würzburg für Natur und Umwelt gesammelt- ein hervorragendes Ergebnis, für das sich der Bund Naturschutz ganz herzlich bedanken möchte.
Aus dem Stand an die Spitze katapultierte sich das neue Gymnasium in Veitshöchheim, welches rund 2.700,-- DM sammelte.
Folgende Ergebnisse wurden im Einzelnen erzielt:

Deutsch-Haus-Gymnasium:          1.866,60 DM
Friedrich-Koenig-Gymnasium:      1.228,95 DM
Gustav-Walle-Schule, Versbach:      503,96 DM
Hauptschule Estenfeld:                   1.392,53 DM
Riemenschneider-Gymnasium:    1.220,87 DM
Röntgen-Gymnasium:                         320,54 DM
Schönborn-Gymnasium:                    745,32 DM
Veitshöchheimer Gymnasium:      2.693,50 DM
Wirsberg-Gymnasium:                    1.617,46 DM

Dipl.- Biol. Steffen Jodl
Geschäftsführer    

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"B26 neu ein Schuhlöffel für massiven Autobahn-Westumgehungs-Verkehr"

01.06.2001

Machbarkeitsstudie ohne zukunftsfähige Lösungen - B 26 neu / Westumgehung in der Kritik
   Am 1. Juni stellte das Straßenbauamt Würzburg gemeinsam mit dem Bayerischen Innenministerium und beteiligten Fachleuten die sog. "Machbarkeitsstudie Entwicklungs-achse westliches Mainfranken" öffentlich vor. Wir kritisieren das Untersuchungskonzept. Die Studie leidet unter fachlichen Mängeln im Hinblick auf eine zukunftsfähige Entwicklung der Region und ihres Verkehrs. Wir kritisieren die verkehrspolitische Intension für das westliche Mainfranken. Neuer Fernstraßenbau quer durch die mainfränkische Landschaft enthält schwerwiegende Konflikte.

Einseitige Experten für Straßen

   Wie kaum anders zu erwarten: Selbstverständlich ist die B 26 neu / Westumgehung "machbar". Das Ergebnis stand vorher fest. Es war nur von Straßenplanungsexperten erneut zu unterfüttern, um mehr Lobby in Berlin machen zu können. Die Federführung der "Machbarkeiststudie" lag fachlich zwar bei Ingenieurbüro Seib; aber die Verkehrsanalyse im Detail wurde Prof. Dr. H. Kurzak übertragen, der sich bereits als Gutachter des Verkehrsentwicklungsplans (VEP) Großraum Würzburg als glühender Verfechter einer Autobahn Westumgehung erwies.

Einstieg in Transitstrecke
  
Die vorgeschlagene Lösung, eine "B 26 neu" von der B26a bei Arnstein über das Werntal bei Zellingen das Maintal querend zur A3 bei Helmstadt zu führen, wäre ein Schuhlöffel für massiven Autobahn-Westumgehungs-Verkehr zwischen A 3 und A 7 um Würzburg durch das westliche Mainfranken. Sie hat nicht den Zuschnitt einer Erschließung des Wirtschaftsraumes Main-Spessart, sondern den für den Einstieg in die Entwicklung einer Transitachse.
Regionale Verkehrsziele verlangen regionale Lösungen, wie sie im kürzlich fortgeschriebenen Ausbauplan für Staatsstraßen beispielsweise für die Anbindung von Lohr an die A3 festgelegt wurde. Maßnahmen dieser Größenordnung genügen auch bei anderen Anbindungsproblemen.
   Die Idee, der Regionalerschließung zu dienen aber Transitverkehr fernzuhalten - vielfach der Studie als Wunsch mit auf den Weg gegeben - huldigt einer Illusion.

Erhöhten Belastungen der Region durch eine B26 neu (Autobahn-Westumgehung)
   Die B26-Westumgehung wird bei jeder möglichen Trassierung in dem vorgeschlagenen Korridor bedeutende Siedlungsgebiete bzw. Siedlungserwartungsgebiete hart tangieren und sie damit entscheidend abwerten. Dies trifft insbesondere in den Bereichen der Talüberquerungen der Wern und des Mains zu.
   Die B26 neu induziert erhöhtes Verkehrsaufkommen, d.h. der bestehende Verkehr wird nicht nur umverteilt. Das Maintal zwischen Würzburg und Karlstadt wird im Verkehr untergehen. In besonderem Maße käme auf der B 27 den Gemeinden Thüngersheim und Veitshöchheim eine deutlich höhere Verkehrslast zu. Dies bedeutet für diese Gemeinde nicht hinnehmbare Belastungen durch Emissionen mitten im Ortsbereich.
   Für die Gemeinden Margetshöchheim und Zell entlang der Staatsstraße auf der linksmainischen Seite ist ebenso ein Belastungszuwachs zu erwarten. Die Umgehungsstraßen von Himmelstadt und Laudenbach, die vermeidbar schienen, müssen wohl gebaut werden. Besonders hart wäre die Gemeinde Himmelstadt betroffen, an deren nördlichem Rand aber auch entlang seiner ortsnahen Umgehungsstraßen große Verkehrszuwächse entstehen.
   Die B 26 neu wird nicht in dem Maß den Mittleren Ring in Würzburg entlasten, wie man sich das vorstellt. Diese These bleibt bestehn.

Einseitige Orientierung am Straßenbau widerspricht Zielsetzung des Bundesverkehswegelanes (BVWP)
   Die Regierungskoalitionin Berlin hat beschlossen, im nächsten Bundesverkehrswegeplan "verkehrsträgerübergreifende" Lösungen festzulegen, um die Schiene zu stärken. Diese sinnvolle Zielsetzung setzt voraus, daß alle Güter- und Personen-Verkehrsbeziehungen untersucht und auf ihre Schieneneignung geprüft werden. Eine verkehrsträgerübergreifende Untersuchung fehlt jedoch der "Machbarkeitsstudie". Ihre Ergebnisse sind daher unbrauchbar für Entscheidungen über zukunftsfähige Investitionen im Rahmen des nächsten BVWP.

Straßenbau kontra Agenda 21
   Die eng und eindimensional auf reibungslosen Straßenverkehr ausgerichtete Mach-barkeitsstudie geht konzeptionell an einer umweltschonenden Regionalentwicklung vorbei. Lebenswichtige Ressourcen der Region wie Wasser, Wald, Siedlungen hoher Wohnqualität, Naherholungsräume, fruchtbare Flächen für Landwirtschaft und Weinbau sollen dem Straßenbau angepaßt werden, obwohl sie vorrangig sind gegenüber der nur dienenden Funktion des Verkehrs. In einer Region, in der der Agenda-Leitgedanke des "Nachhaltigen Wirtschaftens" fußgefaßt hat zerschlägt die Strategie der Straßenplanung diese wichtigen Ansätze. Der Verpflichtung des Freistaats Bayern zur Agenda 21 wurde nicht entsprochen.
   Fazit: Der von der "Machbarkeitsstudie" empfohlener Straßenbau würde heutige Mißstände verstärken, statt Wege zu ihrer Überwindung aufzuzeigen. Hochfrequenter LKW-Verkehr auf der Straße als Zukunft im westlichen Mainfrankens würde verfestigt und die Region würde für Ferntransit mit hoher Neubelastung konditioniert. Die Idee einer Fernstraße als Westumgehung um Würzburg ist überholt und daher aufzugeben - auch in Form der nun vorgestellten B 26 neu. Moderne verkehrssparende, umweltschonende Logistik und Standortplanung sowie die Beteiligung aller Verkehrsträger und Unternehmen an dieser Aufgabe liegen im Interesse einer nachhaltigen Regionalpolitik. Insbesondere betrieblichen Logistik-Konzepten auf vorhandener Infrastruktur gehört die Zukunft.
   Der Widerstand der BI gegen die Autobahn-Westumgehung wird sich neu formieren. Noch im Juni wird ein Treffen stattfinden.

Gez.
Wolfgang Rupp

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Flächenfraß im Landkreis Würzburg setzt sich fort

22.05.2001

 Wird Seligenstadt zum "Vorort" von Ikea?

Erst kürzlich wurden die Planungen der Gemeinden Kist und Höchberg offenkundig, Gewerbegebiete mit einer Gesamtfläche von ca. 40 ha auszuweisen. Prosselsheim will da wohl nicht nachstehen: Auf einer Fläche von bis zu 40 ha soll beim 150 Einwohner zählenden Dörfchen Seligenstadt – wie Zeitungsberichten zu entnehmen war – ein Ikea-Zentrallager für ganz Süddeutschland entstehen.
   Fast 29 ha Land werden in Bayern täglich für Siedlungen und Verkehr verbraucht. Eine Entwicklung, deren Dramatik inzwischen auch die bayerische Staatsregierung erkannt hat. Doch im Landratsamt Würzburg und beim zuständigen Bürgermeister scheinen auch die warnenden Worte aus München vor den negativen Folgen einer zunehmenden Flächenversiegelung noch nicht angekommen zu sein. Als "außerordentlich gering" hält man hier die Belastungen für Mensch und Umwelt durch das Ikea-Zentrallager, trotz des enormen Flächenverbrauchs. Dass die zunehmende Versiegelung der Landschaft die Problematik der Hochwasserereignisse verschärft, ist jedoch allgemein bekannt. Eine zunehmende Verkehrsbelastung durch LKW-Transporte - nicht nur für die 150 Einwohner Seligenstadts - wird auch niemand leugnen können, denn bei weitem nicht alle Lieferungen werden mit der Bahn erfolgen. Die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und der Verlust landwirtschaftlicher Böden hoher Bonität, wären weitere negative Folgen dieses gigantischen Projektes. Auch der Regionalplan von Würzburg sowie das Landesentwicklungsprogramm von Bayern - beide dürften auch dem Landratsamt vorliegen - stehen einem solchen Projekt bei Seligenstadt eindeutig entgegen.

Der Bund Naturschutz fordert daher die Gemeinde Prosselsheim und das Landratsamt Würzburg auf, ihrer Verantwortung für Natur und Umwelt gerecht zu werden und auf dieses Gigantomanieprojekt zu verzichten. Seligenstadt darf nicht zum "Vorort" von Ikea werden.

Dipl.-Biol. Steffen Jodl
Geschäftsführer

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Umweltbilanz 2001

19.03.2001

Bund Naturschutz Würzburg - 4000 Mitglieder und Förderer - 32 Ortsgruppen in Stadt und Landkreis Würzburg - 12 Kinder- und Jugendgruppen – eine Lobby für unsere Natur und Umwelt

Das Positive


Umweltbildung mit Kontinuität und Vielfalt
Im Jahr 2001 nutzten etwa 2500 Besucher das breit gefächerte Bildungsangebot des Ökohauses Würzburg mit rund 150 Veranstaltungen. Davon buchten 13 Gruppen das Stadtsafari-Schulprogramm. Auf spielerische Art und Weise lernten die teilnehmenden Kinder z.B. Tierspuren im Wald oder das Leben im Teich und auf der Wiese kennen.
Unter dem Motto "Einkaufen verändert die Welt – Lust auf gesundes Leben" beteiligte sich der Bund Naturschutz erfolgreich an der Mainfrankenmesse.
Zur Messe wurde ein attraktiver ökologischerEinkaufsführer erstellt, der u.a. auch als Mainpost-Beilage kostenlos verteilt wurde.
Im Jahr des Ehrenamtes 2001 gab der BN in Kooperation mit dem Umweltreferat der Stadt Würzburg die Broschüre "Aktiv für Natur und Umwelt" heraus, um die Möglichkeiten für ehrenamtliches Engagement im Umweltbereich aufzuzeigen und zum Mitwirken anzuregen.
In der Agenda 21 wirkte der BN wieder engagiert mit. Zum einen wurden Fortbildungsveranstaltungen für Agenda 21-Aktive in Unterfranken organisiert – in Kooperation u. a. mit dem Matthias-Ehrenfried-Haus und dem Umweltbeauftragten der Diözese Würzburg – zum anderen wurde eine umfangreiche Liste mit erfolgreichen Agenda 21-Projekten aus Unterfranken erstellt.
Weitere erfolgreiche Initiativen waren das Pfingstferienprogramm für Kinder und eine Wespenberatungs-Hotline Anfang August 2001. Seit letztem Jahr ist die BN-Kreisgruppe auch im Internet mit einer eigenen Homepage vertreten: www.bn-wuerzburg.de

Wettbewerb "Mehr Natur in Hof und Flur"
Beim bayernweiten Wettbewerb des BN unter dem Motto "Mehr Natur in Hof und Flur" organisierte die BN-Kreisgruppe Würzburg für ihren Bereich diese Aktion.
Mit dem Wettbewerb rückten vor allem Naturschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft stärker ins Licht der Öffentlichkeit. Auch wenn sich nur 3 Bauern – zudem Bio-Landwirte – bei diesem Wettbewerb beteiligten, so ist aufgrund der flächendeckenden Information (Verteilung von Infobroschüren an die Landwirte) und der sehr guten Zusammenarbeit mit dem Bauernverband, dem Amt für Landwirtschaft und Ernährung und dem Landratsamt die Aktion als Erfolg zu bewerten.

Arten- und Biotopschutz auf hohem Niveau
Der Bund Naturschutz betreute im Jahr 2001 wieder ca. 50 ha ökologisch wertvolle Flächen in Stadt und Landkreis Würzburg. In rund 1500 ehrenamtlichen Arbeitsstunden wurden Streuobstwiesen, Schilfflächen und Halbtrockenrasen gemäht (z.B. in den Naturschutzgebieten "Zeubelrieder Moor", "Bromberg-Rosengarten", "Marsberg-Wachtelberg"), Hecken und Bäume gepflanzt, Kopfweiden gepflegt und Gewässer unterhalten. Damit leistete der Bund Naturschutz einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung seltener Tier- und Pflanzenarten sowie des Landschaftsbildes, von dem letztendlich auch alle Bürgerinnen und Bürger profitieren. Zudem hat der Bund Naturschutz auch im vergangenen Jahr wieder in der Vorstandschaft des Landschaftspflegeverbandes Würzburg aktiv mitgewirkt.
  Durch die Betreuung von rund 4,5 km Amphibienschutzzäunen bei Wind und Wetter wurden tausende Amphibien vor dem sicheren Straßentod bewahrt. Gute Ansätze in der Stadt Würzburg zur Errichtung fester Leitsysteme mit Untertunnelung sind ein Ergebnis langjähriger Aufklärungsarbeit durch den Bund Naturschutz. Der Landkreis steht hier noch in der Pflicht.

FFH- und Vogelschutzgebiet gerettet
Den deutlichen Einsprüchen des Bundes Naturschutz ist es zu verdanken, dass bei Eisenheim in einem gemeldeten Schutzgebiet gemäß Flora-Fauna-Habitat- und Vogelschutz-Richtlinien kein Campingplatz am Mainufer errichtet werden darf. Im Rahmen der Flächennutzungsplanänderung hatte der Markt Eisenheim entsprechende Planungen in diesem ökologisch sehr wertvollen Gebiet vorgesehen.

Das Negative

Zersiedelung und Versiegelung
Täglich (!) werden in Deutschland 120 ha Fläche für Siedlungs- und Infra-strukturmaßnahmen verbraucht. Dies entspricht vier landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieben oder 170 Fußballplätzen. Allein in Bayern hat dies zur Folge, dass jährlich eine Fläche so groß wie der Chiemsee (ca. 8000 ha) versiegelt wird. Dieser galoppierende Landverbrauch ist inzwischen auch vor unserer Haustüre zu einem der größten Natur- und Umweltschutzprobleme geworden. Der Wettstreit unter den Gemeinden um Gewerbebetriebe ist voll entbrannt. So setzen die Gemeinden Höchberg, Kist und Eisingen auf ein interkommunales Gewerbegebiet an der B 27, autobahnnah und autogerecht. Das Gewerbegebiet von Waldbüttelbrunn wächst um weitere 10 ha (3. Erweiterung) zunehmend auf die Nachbargemeinde Hettstadt zu, bei Seligenstadt wurden Planungen für ein Zentrallager für Ikea auf einer Fläche von rund 40 ha bekannt, Giebelstadt plant neue Gewerbeflächen mit einem Gesamtumfang von weit über 60 ha, u.v.m..

Westumgehung Würzburg
Mit einer rund 360.000 Euro teuren Studie versucht das Land Bayern ohne Rücksicht auf Mensch und Natur und unter Verschwendung von Steuergeldern erneut eine Autobahn im Westen von Würzburg durchzusetzen. Und das, obwohl der regionale Planungsverband sich 1997 gegen weitere Entwicklungsachsen ausgesprochen hat, um eine Zersiedelung der Landschaft um Würzburg zu verhindern. Potentiale einer Verkehrsvermeidung und –verlagerung sowie die Bahn werden in der Studie nicht beachtet. Überhöhte Verkehrszahlen bringen die Studie zusätzlich ins Zwielicht. So wird eine Verkehrsbelastung auf der A 3 für das Jahr 2000 "prognostiziert", die weit über den inzwischen veröffentlichten amtlichen Zahlen der Autobahn-Direktion Nordbayern liegt.

Mainausbau fortgesetzt
Trotz erheblicher Einwendungen durch den Bund Naturschutz wurde der Ausbau des Mains fortgesetzt. Nach wie vor fehlt eine Umweltverträglichkeitsprüfung, welche die Auswirkungen des gesamten Mainausbaus auf Natur und Umwelt berücksichtigt. Scheibchenweise wird damit die Mainlandschaft wirtschaftlichen Utopien geopfert. Naherholungsbereiche verschwinden ebenso, wie ökologisch wertvolle Biotope. Offensichtlich wurde es auch Usus, im großen Umfang Ausnahmegenehmigungen für übergroße Schiffe auf dem Main zu erteilen.

 

 

Karin Miethaner-VentDipl.-Biol.Steffen JodlKlaus Isberner
1. VorsitzendeGeschäftsführerBildungsreferent

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Flächenfraß zwischen Höchberg und Kist

09.03.2001

Werden zukünftig Gewerbegebiete das Landschaftsbild bestimmen?

   Täglich (!) werden in Deutschland 120 ha Fläche für Siedlungs- und Infra-strukturmaßnahmen verbraucht. Dies entspricht vier landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieben oder 170 Fußballplätzen. Allein in Bayern hat dies zur Folge, dass jährlich eine Fläche so groß wie der Chiemsee (ca. 8000 ha) versiegelt wird.
   Der galoppierende Landverbrauch ist inzwischen auch vor unserer Haustüre zu einem der größten Natur- und Umweltschutzprobleme geworden. Der Wettstreit unter den Gemeinden um Gewerbebetriebe ist voll entbrannt. Nördlich der A3 und entlang der B 27 in Richtung Eisingen/Höchberg plant die Gemeinde Kist ein neues Gewerbegebiet mit einer Gesamtfläche von ca. 21,4 ha. Die Marktgemeinde Höchberg arbeitet ebenfalls schon eifrig an der Verwirklichung eines weiteren Gewerbegebietes an der B27 in Richtung Eisingen mit einer Fläche von min. 20 ha. Hier soll zum Beispiel ein Fachmarktzentrum mit Baumarkt u. ä. entstehen.
   Wird zukünftig ein gigantisches Gewerbegebiet auf der weit einsehbaren Höhe zwischen den Gemeinden Kist, Eisingen und Höchberg das Landschaftsbild bestimmen? Die Vorstellung eines solchen Gewerbegürtels ist erschreckend. Die Folgen dieser hemmungslosen Versiegelungswut tragen die Bürgerinnen und Bürger in der Region: zersiedelte und zerstörte Landschaft, wachsender Verkehr mit den entsprechenden Lärm- und Schadstoffbelastungen, zunehmendes Hochwasserrisiko.
   In Höchberg wird das neue Gewerbegebiet auf der grünen Wiese als "verkehrspolitische Notwendigkeit" dargestellt, der Ort soll so entlastet werden. Doch das Gegenteil wird der Fall sein. Zusätzlicher Verkehr wird die Gemeinde belasten, vor allem aus Richtung Würzburg.
   In Kist leidet man schon heute unter den Belastungen des zunehmenden Verkehrs auf der Autobahn. Häufig wird die B27 zwischen den Anschlussstellen Gerchsheim und Kist als Bypass genutzt und lässt den Verkehr durch den Ort rollen. Ein weiteres Gewerbegebiet, das zudem noch mit seiner Autobahnnähe Betriebe anlocken soll, wird die unerträgliche Situation weiter verschärfen.
   Auch die Nachbargemeinden (vor allem Eisingen und Waldbrunn) werden vom Ziel- und Quellverkehr der geplanten Gewerbegebiete nicht verschont bleiben. Die Erschließung des Kister Gewerbegebietes soll sogar über Eisinger Gemarkung führen.
  Der Bund Naturschutz richtet daher an die betreffenden Gemeinden den dringenden Appell, von diesen Planungen Abstand zu nehmen und nicht auf den Zug der Versiegelung und Landschaftszerstörung aufzuspringen, zu Gunsten der Bürgerinnen und Bürger, zu Gunsten von Natur und Landschaft.

Dipl.-Biol. Steffen Jodl
Geschäftsführer

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Gewerbegebiet bei Erbshausen dient vorwiegend Fremdinvestoren

09.03.2001

Bund Naturschutz sieht sich bestätigt
   Schon im Februar 1996 hatte der Bund Naturschutz die Planungen der Gemeinde Hausen kritisiert, westlich von Erbshausen ein Gewerbegebiet mit einer Fläche von über 5,0 ha auszuweisen. Es war klar, dass die Gemeinde Hausen ein überdimensioniertes Gewerbegebiet plante, vorwiegend zur Ansiedlung ortsfremder Betriebe, was landes- und regionalplanerischen Vorgaben eindeutig widerspricht. Mit der Ansiedlung einer Autobahn-raststätte mit 24-Stunden Einkaufsmarkt, Tankstelle, Spielothek, u. ä. werden die Befürchtungen des Bundes Naturschutz nun eindrucksvoll bestätigt. Mit dem Slogan "mitten im Grünen, umgeben von kleinen liebenswerten Dorfgemeinschaften" wirbt der Investor für dieses Großprojekt. Doch mit dieser Idylle und Beschaulichkeit in Erbshausen wird es wohl bald vorbei sein. Auch Erbshausen wird damit zu einem der vielen Autorasthöfe entlang der Autobahnen degradiert, deren Dorfcharakter verloren ging. Die negativen Folgen wie Lärm und Autoabgase tragen die Bürgerinnen und Bürger der Region.

Dipl.-Biol. Steffen Jodl
Geschäftsführer

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Umweltlinde 2000 für r. Matthias Thoma

05.03.2001

Die Kreisgruppe Würzburg des Bundes Naturschutz verleiht Herrn Dr. Matthias Thoma, Umweltreferent der Stadt Würzburg, die Umweltlinde 2000
für sein Engagement für Erhalt und Aufwertung des Würzburger Ringparks

   In den Jahren 1996 bis 2000 ist der Würzburger Ringpark 100 Jahre alt geworden. Lange Zeit genoss dieser – obwohl "Grüne Lunge" der Innenstadt und ebenso wie diese ein unter Denkmalschutz gestelltes Ensemble – nicht (mehr) die ihm zukommende Wertschätzung. Er musste als Flächenreservoir für Verkehrsplanungen herhalten: Auffahrt zur Löwenbrücke, Berliner Ring, Fahrbahnerweiterung des Röntgen- und Haugerringes. Aber auch die Modernisierung der Straßenbahn ging zulasten des Ringparks. Außerdem bürgerte sich die Unsitte ein, auf den äußeren Fußwegen zwischen den Alleebäumen Autos abzustellen.
   Herrn Dr. Thoma ist es gelungen, diesen Trend umzukehren: Die äußeren Alleen werden wieder hergestellt, vom Blech befreit, früher "plattgemachte" Rasenpolsterränder neu modelliert. Durch Feste, Veröffentlichungen und andere Aktionen wird der Wert des Ringparks der Bevölkerung in Erinnerung gerufen.
   In seiner Initiative ließ Herr Dr. Thoma sich auch durch Rückschläge und gehässige Angriffe nicht beirren. Wir zollen ihm Anerkennung und Respekt!

Karin Miethaner-VentSteffen Jodl
1. Vorsitzende Geschäftsführer

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Umweltlinde 2000 für Stefan Herrmann

05.03.2001

Die Kreisgruppe Würzburg des Bundes Naturschutz verleiht Herrn Stefan Herrmann die Umweltlinde 2000 für sein Engagement zum Erhalt unserer Natur

   Über Jahrzehnte konnte sich in einem stillgelegten Steinbruch bei Gaubüttelbrunn die Natur wieder ausbreiten. Für zahlreiche Arten entstand ein hochwertiges Rückzugsgebiet. Als Ende 1999/Anfang 2000 die Bagger wieder anrückten und begannen diesen Lebensbereich wegzuschieben und zuzuschütten, war es Herr Herrmann, der nicht wegschaute, sondern alle Hebel in Bewegung setzte, um diesem Naturfrevel Einhalt zu gebieten. Er suchte Gespräche mit Verbänden, Behörden und Politikern. Vor allem seinem unerschrockenen und selbstlosen Einsatz ist es zu verdanken, dass das Landratsamt zumindest Auflagen zum Schutz der verbliebenen Biotopreste erteilte. Er war es auch, der noch vor den zuständigen Behörden feststellte, dass nun auch gegen diese Auflagen verstoßen wurde und erneut Biotope der Baggerschaufel zum Opfer fielen.
   Dieses unerschrockene und selbstlose Eintreten für eine gute Sache ist in unserer "Wegschaugesellschaft" selten geworden. Herrn Herrmann gilt daher unser aller Respekt.

 

Karin Miethaner-VentSteffen Jodl
1. Vorsitzende Geschäftsführer

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Biotopzerstörungen im Steinbruch von Gaubüttelbrunn setzen sich fort

19.01.2001

Bund Naturschutz fordert Einstellung der Arbeiten
   Schon im Frühjahr 2000 haben Bund Naturschutz und Bürger Gaubüttelbrunns massiv gegen die Wiederinbetriebnahme eines Steinbruches nordwestlich von Gaubüttelbrunn durch die Fa. Scheuermann GmbH u. Co protestiert. Über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahre konnten sich zuvor – wie im Regionalplan vorgesehen – wertvolle Biotope entwickeln. Das unmittelbare Nebeneinander von trockenen und feuchten Bereichen verlieh diesem Steinbruch „unbedingten Seltenheitswert unter den Steinbrüchen Mainfrankens". Nicht ohne Grund wurde dieser Steinbruch erneut in das aktuelle Arten- und Biotopschutzprogramm aufgenommen und dort als regional bedeutsam eingestuft. Das Vorkommen der Gelbbauchunke (Rote-Liste Art) ist dort belegt.
   Dennoch wurde von Landratsamt Würzburg am 25.07.2000 nachträglich eine abgrabungsrechtliche Genehmigung erteilt, die am 09.11.2000 durch die Genehmigung von Abraumlagerungen ergänzt wurde. Auflagen sollten verhindern, dass die letzten Reste der noch nicht zerstörten Biotope ebenfalls vernichtet werden.
   Nach neusten Informationen, soll die Fa. Scheuermann GmbH u. Co jedoch erneut wertvolle Biotope zerstört und damit gegen Auflagen verstoßen haben. Es ist damit zu befürchten, dass auch die letzten ökologisch wertvollen Reste im Steinbruch der Fa. Scheuermann GmbH u. Co schrittweise zum Opfer fallen.
    Der Bund Naturschutz fordert daher die sofortige und dauerhafte Einstellung aller Arbeiten in diesem Steinbruch, um den Fortbestand der noch vorhandenen wertvollen Biotopflächen zu sichern. Zudem sind für die beseitigten Biotope Ersatzmaßnahmen vom Verursacher durchzuführen.

Dipl.-Biologe Steffen Jodl
Geschäftsführer

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Gewerbegebiet kontra Wasserschutz

12.01.2001

Bund Naturschutz erwartet Verkehrszunahme auf Hettstadter Steige durch weiteres Gewerbegebiet bei Waldbüttelbrunn
Im Wasserschutzgebiet der Zeller Quellen plant die Gemeinde Waldbüttelbrunn auf einer Fläche von ca. 10 ha die Erweiterung des Gewerbegebietes „Kiesäcker". Gleichzeitig soll die Verkehrsanbindung an die Hettstadter Steige verbessert werden.    Unverständlich ist diese Planung für den Bund Naturschutz, da schon seit längerer Zeit bekannt ist, dass die Hettstadter Steige aufgrund der Gefährdung der Zeller Quellen, mittelfristig geschlossen werden muss. Eine von der Regierung von Unterfranken eingesetzte Arbeitsgruppe sucht zwischenzeitlich nach Alternativlösungen. Dennoch setzt die Gemeinde Waldbüttelbrunn mit ihrem Gewerbegebiet weiter auf die Hettstadter Steige als Verbindung nach Würzburg. Eine erhöhte Gefährdung der Zeller Quellen durch zunehmenden Verkehr wird in Kauf genommen.    Zusätzlich belastet werden auch die Anwohner der Zeller Straße und des näheren Umfeldes. Gerade der aus dem Gewerbegebiet in Richtung Höchberg/Würzburg fließende Verkehr schlägt hier zu Buche.    Der Bund Naturschutz fordert die Gemeine Waldbüttelbrunn daher auf, die Planungen für die Erweiterung des Gewerbegebietes „Kiesäcker" einzustellen und dem Trinkwasserschutz oberste Priorität einzuräumen. Der Schutz der Lebensgrundlagen darf nicht durch kurzsichtiges Handeln ausgehebelt werden.

 

Steffen Jodlgez. Ursula Hamprecht
Geschäftsführer
Kreisgruppe Würzburg
1. Vorsitzende Ortsgruppe
 Waldbüttelbrunn

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