Chaos-Planung Westumgehung Würzburg

15.12.2000

Alter Wein in neuen Schläuchen
Das Arbeitsprogramm für eine "Machbarkeitsstudie Entwicklungsachse westliches Mainfranken" - vorgestellt am 1.12.2000 vom Würzburger Straßenbauamt und Bayerischen Innenministerium -hat in der Öffentlichkeit heftige Diskussionen ausgelöst. Nach Ansicht des Bundes Naturschutz (BN) stecken hinter dem Konzept der bayerischen Straßenbaubehörden unausgegorene Vorstellungen, die sich in ein neues Gewand hüllen, um uralte Ziele besser durchsetzen zu können. "Alter Wein wird in neuen Schläuchen verkauft", so die Vertreter des Bundes Naturschutz. Die Idee einer Westumgehungsfernstraße um Würzburg ist jedoch überholt und sollte endgültig aufgegeben werden.
"Dass es sich um eine Chaos-Planung handelt, wurde an vielen Konflikten klar, für welche die Machbarkeitsstudie keine Lösungen anbietet", so der Bund Naturschutz weiter. "Im Gegenteil: Heutige Missstände sollen verstärkt werden, anstatt Wege zu ihrer Überwindung aufzuzeigen. Der LKW-Verkehr auf der Straße wird als Zukunft Mainfrankens verfestigt."
Folgende Widersprüche wurden in der Informationsveranstaltung deutlich:
(1) Main-Spessart-Gemeinden wie Lohr, Karlstadt und Gemünden wünschen eine bessere Anbindung ihrer Betriebe an die A 3, wollen aber nicht unter Belastungen einer neuen Transitfernstraße leiden. Würzburgs OB Weber hingegen fürchtet, dass die seit langem verlangte Entlastung des Oberzentrums vom LKW-Abkürzungsverkehr bei dem regional orientierten Konzept zu kurz kommt und verlangt eine wirksame Fernverbindung A3/A7 nordwestlich Würzburgs. St. Florians-Denken wie eh und je steht hinter Zielen von Stadt und Umland. Beide suchen ihr Heil im Straßenbau, obwohl sie nicht unter seinen Folgen leiden wollen.
(2) Unter dem Vorwand "regionale Entwicklungsachse" zielt die Straßenbauverwaltung auf Zustimmung von Main-Spessart-Gemeinden und IHK. Nach dieser Melodie wurde auch bei der Thüringer-Wald-Autobahn verfahren: Autobahnanschlüsse für viele Gemeinden der Main-Rhön-Region wurden versprochen, dann aber Schritt für Schritt im Planungsprozess gestrichen, mit dem Ergebnis einer Transitautobahn. Derselbe Trick soll nun im Main-Spessart-Raum ziehen. Da der für den Fernstraßenbau zuständige Bund für bloße Regionalerschließung keine Gelder hergeben darf, wird auch hier die Quadratur des Kreises nicht gelingen.
(3) Völlig unausgegoren ist die Planung, weil der Gütertransport mit der Bahn ausgeklammert bleibt, wie Nachfragen des BN ergaben. Private Bahnunternehmen stehen auf der Matte, um Gleisanschlüsse und Logistik auf der Schiene nach modernen Konzepten zu bedienen - doch der Freistaat huldigt einer rückwärtsgewandten reinen Straßenbauphilosophie - gegen Ziele des Klimaschutzes und gegen das enorme Potential des regionalen Schienennetzes.
(4) In chaotischen Widerspruch verstricken sich Verkehrsexperte Prof. Kurzak und Ministerialrat Müller vom Bayer. Innenministerium bei der Zeitplanung: Kurzak benötigt für sein Verkehrsmodell mindestens das ganze Jahr 2001, um eine sorgfältige LKW-Verkehrsanalyse zu erstellen, Müller will aber bereits im Juli 2001 verbindliche Grundlagen für die Bedarfsplanung des Bundes nach Berlin geben.
(5) Kosten der Machbarkeitsstudie bleiben geheim oder sind unbekannt - alles steht auf Tonfüßen. Auf BN-Nachfrage erfährt die Öffentlichkeit: Weil der Bund einen Teil der Kosten tragen soll und dieser Antrag läuft, könne man über die Kosten nichts sagen.

Karin Miethaner-Vent Wolfgang Rupp
1.Vorsitzende 
Kreisgruppe Würzburg
BN-Vertreter Reg. Planungsbeirat
(BN-Main-Spessart)

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Ausverkauf von Natur und Landschaft am Kapellenberg bei Eibelstadt

22.09.2000

Bund Naturschutz warnt vor Zerstörung wertvoller Lebensräume
  
„Erneut stehen im Landkreis Würzburg ökologisch wertvolle Flächen auf der Abschussliste profithungriger Investoren", so Steffen Jodl vom Bund Naturschutz (BN). Eine 2,2 ha große „Hotel-Park-Service-Haus-Anlage" plant die Franz-Brand OHG Würzburg angrenzend an den nördlichen Siedlungsrand von Eibelstadt. „Der Ausverkauf von Natur und Landschaft im Landkreis Würzburg setzt sich fort", so der BN-Geschäftsführer weiter.
    Betroffen ist ein Gebiet, in dem totholzreiche Streuobstbestände, Wiesenbrachen, Heckenriegel und Obstwiesen unterschiedlichster Nutzungsstadien eng miteinander verzahnt sind. Teile der Flächen sind aufgrund der besonders hohen ökologischen Wertigkeit als Biotope kartiert. Das gesamte Gebiet zählt zu einem Biotopverbund entlang der Maintalhänge und erfährt somit besondere Bedeutung. Als Vogelarten der Roten Liste finden sich im Gebiet zudem Gartenrotschwanz und Dorngrasmücke, die in ihrem Bestand als gefährdet gelten.
   „Das vorgesehene Projekt würde zur Zerstörung ökologisch wertvoller Strukturen und zusammenhängender Lebensräume führen", warnt der Biologe Steffen Jodl. Auch das Landschaftsbild wäre deutlich beeinträchtig, da die vorhandenen Obstbestände einen harmonischen Übergang zwischen Ortschaft und freier Landschaft schaffen und das Ortsbild positiv prägen.
Dipl.-Biol. Steffen Jodl
Geschäftsführer

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