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Der Feldhamster

Der Feldhamster – Wühler, Nager, Einzelgänger

 

  Unser einheimischer Hamster (Cricetus cricetus) ist im Gegensatz zum putzigen Goldhamster aus Syrien ein bulliges Kerlchen. Er wird bis zu 34 cm lang und wiegt zwischen 200 und 500 Gramm. Angst zeigt er nicht. Wenn er in Gefahr ist, stellt er sich auf seine Hinterbeine und klappert wütend mit den Zähnen, faucht und bläst seine Hamsterbacken auf. Der dunkle Bauch und die hellen Pfoten erinnern an den aufgerissenen Schlund eines Raubtieres mit seinen Reißzähnen.

Sein vielfarbig und gescheckt gefärbtes Fell ist ungewöhnlich. Die meisten Wildtiere haben eine helle Unterseite. Unser Nager aber zeigt einen fast schwarzen Bauch. Dagegen ist er oben herum gelbbraun-rötlich. Man nennt das Verkehrtfärbung.

 

Wo und wie lebt er?

 

  Sein ursprünglicher Lebensraum sind die Gras- und Waldsteppen Osteuropas und Asiens. Er bevorzugt offene Ackerlandschaft auf Löss- und Lehmböden, lebt auf Getreide- und Rübenfeldern. Seinen Bau legt er 1,5 –2 Meter unter der Erde an. Dieser besteht aus einer Vorratskammer, einem Wohnraum (Lager) und einem Kotplatz. Über senkrechte Fallröhren lässt er sich in den Bau plumpsen. Außerdem gibt es aber noch weitere Röhren. Selten wird man ihn zu Gesicht bekommen. Hamster sind dämmerungs- und nachtaktiv.

Feldhamster sind ausgeprägte Einzelgänger. Männchen und Weibchen gehen sich normalerweise aus dem Weg. Nur zur Paarung zwei bis dreimal im Jahr verschafft sich das Männchen Zutritt zu einem Weibchenrevier. Es wird gefaucht und gebissen. Nach einer Woche trennen sich die Streithamster und das Weibchen bringt 5 bis 10 Junge zur Welt. Zuerst sind die Hamsterbabys nackt und blind. 14 Tage später tragen sie schon das Fell ihrer Eltern. Mit vier Wochen verlassen sie das Nest.

 

Was frisst er?

 

Der Feldhamster lebt überwiegend vegetarisch. Er futtert Getreide und Klee, Kartoffeln, Zuckerrüben,  Kraut, Wildkräuter und ihre Samen, verschmäht aber auch Feldmäuse, Würmer und Insekten nicht.

Bis zu 20 kg Futter trägt er im Spätherbst zusammen. Von Oktober bis März überwintert er in seinem Bau. Er schläft nicht den ganzen Winter über, sondern holt ungefähr einmal in der Woche eine Mahlzeit aus der Speisekammer. Dann kriecht er in sein weich gepolstertes Nest zurück, fährt seine Körpertemperatur herunter und schläft weiter. Sind die Körner im Frühjahr nicht aufgebraucht, ernährt er sich weiter davon.

 

Wer wird ihm gefährlich?

 

Wiesel und Iltis, Füchse und Katzen, aber auch Bussard und Eulen zählen zu seinen natürlichen Feinden. Der Mensch aber ist seine größte Gefahr.

Durch die Intensivierung der Landwirtschaft und die industrielle Feldbewirtschaftung ist der Hamster durch die schnelle Ernte vom Hungertod im Winter bedroht. Denn er kann nicht genügend Wintervorräte an Ähren- und Körnerresten hamstern (etwa 4 kg), weil Stoppelfelder heute meist sofort umgepflügt werden. Obendrein findet er keine Deckung vor Feinden.Oft muss er auch Gewerbegebieten, Straßen und anderen Bebauungen weichen.

 

Der Feldhamster ist akut vom Aussterben bedroht.

 

Er steht inzwischen auf der Roten Liste ganz weit oben. Die Feldhamster sind nur noch in wenigen Regionen in Deutschland anzutreffen. Vor 25 – 30 Jahren lebten bis zu 10 Hamster auf einen Hektar, heute höchstens einer. Hauptvorkommen in Bayern ist das Gebiet zwischen Ochsenfurt und Schweinfurt (s. Karte).

 

Schutz des Feldhamsters

Mainpost 18. Juni 2009

BIEBELRIED
Feldhamsterschutz für die Katz?

Über den Sinn von Schutzmaßnahmen

Sind die vielen tausend Euro für den Schutz der Feldhamster beim Bau der Umgehung Biebelried in wahrsten Sinne des Wortes für die Katz?

Ein Blick auf die Karte zeigt: Den Feldhamster gibt es in Bayern eigentlich nur noch in der Region zwischen Schweinfurt und Würzburg.

  • Ulrich Lanz beantwortete nach seinem Vortrag über das Projekt Feldhamsterschutz Fragen der Zuhörer.

Das herauszufinden, den Sinn solcher Maßnahmen zu bestätigen oder aber andere Wege für einen sinnvolleren Einsatz von Steuer- und Spendenmitteln zu finden, ist Aufgabe des Projektes Feldhamsterschutz. Ulrich Lanz vom Landesbund für Vogelschutz hat es am Dienstag in Biebelried vorgestellt.

Ein Blick auf die Karte zeigt: Den Feldhamster gibt es in Bayern eigentlich nur noch in der Region zwischen Schweinfurt und Würzburg. Auch in Deutschland und ebenfalls in West- und Mitteleuropa sind die Hamsterbestände kurz vor dem Verschwinden. „Gerade das macht die stabilen Bestände bei uns zu etwas besonderem“, sagte Lanz, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass auch diese Bestände stark rückläufig sind. Noch vor rund 20 Jahren waren die Nager eine Plage und galten als Ernteschädlinge. Fangprämien wurden bezahlt.

Für sein Überleben braucht der Hamster schwere Lehm und Lößböden, die für die Anlage seiner Bauten geeignet sind. Gute Ackerböden also, auf denen heute schon die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren sind: Immer frühere Erntetermine nehmen dem Hamster die Deckung in der „Hamsterzeit“, in der er Vorräte für den Winter anlegt. Die Suche nach neuer Deckung ist gefährlich. Leicht wird der Nager Beute von Räubern.

Das ist aber nur einer von vielen Faktoren: „Es sind viele Mosaiksteine, die zu der Situation geführt haben“, sagt Lanz und schiebt dabei den schwarzen Peter ausdrücklich nicht dem einzelnen Landwirt zu.

Aber auch das wird klar: Der Feldhamster teilt sein Schicksal mit vielen anderen Arten, etwa der Lärche, dem Kibitz, der Schwalbe oder dem Rebhuhn. Trotzdem sehen die Verantwortlichen für das Projekt gerade in der Region Würzburg Schweinfurt die Chance, durch besonderen Schutz zu verhindern, dass er auch hier ausstirbt. Und dazu wird gerade viel Geld in die Hand genommen, wie der Bau von Ikea in Würzburg, die Umgehung Biebelried und die A 71 bei Geldersheim etwa zeigen.

Ausgleichsflächen

Das Projekt Feldhamsterschutz setzt nun hier an: Nicht durch konkrete Schutzmaßnahmen, wie den Kauf und die Pacht von Flächen, sondern durch die Überprüfung der eingeleiteten Maßnahmen. Da gibt es etwa rund um Biebelried Ausgleichsflächen, die beim Bau der Umgehung angelegt wurden. Die Mitarbeiter im Projekt schauen, wie wirkungsvoll diese Flächen sind. Dazu werden die Hamster gefangen, markiert und beobachtet. Ein Teil wird sogar mit Peilsendern ausgestattet.

Es gibt auch umfangreiche Umleitungsmaßnahmen mit Straßendurchlässen für die Hamster, was gut bei Biebelried zu sehen ist. Einerseits soll verhindert werden, dass noch mehr Tiere überfahren werden. Andererseits geht es darum, nicht isolierte Populationen zu schaffen, die genetisch verarmen und dadurch verschwinden.

Kameras in den Durchlässen sollen zeigen, welche Art an Straßenunterquerung von den Tieren genutzt werden. Dabei hat sich im vergangenen Jahr gezeigt, dass es vor allem Katzen sind, die bei Biebelried diese „Tunnel“ nutzen. Kein einziger Hamster wurde gesehen. Also alles für die Katz?

Allerdings: Ähnlich wie es Jahre mit starkem Mäuseaufkommen gibt, schwankt die Hamsterpopulation auch von Jahr zu Jahr stark.

Machen also diese und andere teuere Maßnahmen überhaupt Sinn oder sollten die Gelder besser für andere Schutzeinrichtungen eingesetzt werden? Viele Fragen, die erst nach Ende des Projekts hoffentlich zuverlässig beantwortet werden können.

Dass ein solches Projekt durchaus Sinn macht, wurde in der anschließenden Diskussion schnell deutlich. Alois Kraus, Kreisobmann des Bauernverbands bekannte: „Ich hätte nichts dagegen, wenn auf meinen Feldern mehrere Hamsterbauten wären.“ Klar wurde auch: Die vom Straßenbauträger ausgewählten Ausgleichsflächen für den Hamster bei Biebelried eignen sich zum Teil nur sehr bedingt und bieten nicht den geeigneten Lebensraum für die Tiere. Das wären dann die besten Böden, die wiederum häufig durch die Baumaßnahmen wegfallen. In sofern sitzen Hamster und Landwirt dann doch in einem Boot. Denn auch für den Landwirt sind die besten Böden lebenswichtig.

Von unserem Mitarbeiter Robert Haas

 

Die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie)

Die FFH-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen)

http://www.ffh-gebiete.de/

 

http://www.fauna-flora-habitatrichtlinie.de/

 

Artenhilfsprogramm vom Bayerischen Landesamt für Umwelt:

https://www.lfu.bayern.de/natur/artenhilfsprogramme_zoologie/feldhamster/ahp/index.htm

 

 

MERKBLATT                                                               Stand: 2010

zur Bewirtschaftung nach dem Feldhamster-Hilfsprogramm (FHP)

https://www.lfu.bayern.de/natur/artenhilfsprogramme_zoologie/merkblaetter/doc/28.pdf