Wichtige Impulse, aber noch keine Trendwende - BUND Naturschutz Kreisgruppe zieht gemischte Bilanz zum Volksbegehren Artenvielfalt im Landkreis Würzburg

Insektenvielfalt in Bayern noch längst nicht gerettet. BUND Naturschutz/BN fordert noch mehr Schub für funktionierenden Biotopverbund, mehr Bio in Bayern und weniger Pestizideinsatz

 

Holzbiene

22.07.2020

Am 01. August 2020 jährt sich die Aufnahme zahlreicher neuer Verpflichtungen in das Bayerische Naturschutzgesetz durch das Volksbegehren Artenvielfalt. Auch im Landkreis Würzburg hatten 20,5 Prozent der Bevölkerung dafür gestimmt, in der Stadt Würzburg 20,9 Prozent. Was ist seitdem in der Region für die Artenvielfalt passiert? Die BUND Naturschutz Kreisgruppe zieht regional Bilanz.

Trotz einer insgesamt schleppenden Umsetzung sind wir nicht unzufrieden, denn durch das Volksbegehren haben die Themen Artenvielfalt und Insektensterben im ganzen Landkreis viel mehr Aufmerksamkeit bekommen und auch bei uns hat sich etwas getan,“ bilanziert Armin Amrehn, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Würzburg. Kommunen, Landwirte und VerbraucherInnen – viele haben im letzten Jahr angestoßen durch das Volksbegehren etwas zum Schutz der Insekten und der Artenvielfalt beigetragen. „Ob es die Gemeinde Kürnach ist, wo die kommunalen Flächen nun seltener gemäht werden und artenreicher sind oder ob es die gestiegene Nachfrage nach Produkten aus dem Ökolandbau ist.“ Im Landkreis werden derzeit 17,6 Prozent der Fläche nach Kriterien des Ökolandbaus bewirtschaftet, nach 15,8 Prozent im Jahr 2017. „Mit 510 ha haben wir im Irtenberger Wald auch einen neuen Naturwald im Landkreis bekommen,“ begrüßt Armin Amrehn diesen wichtigen Schritt. „Der Biotopverbund hat sich im Landkreis unserer Einschätzung nach real noch nicht verbessert, es fehlen auch noch die nötigen Konzepte im Landkreis und in den Gemeinden. Wir erwarten hier in den nächsten Monaten deutlich mehr Fortschritte“, so Steffen Jodl, Geschäftsführer der Kreisgruppe. „Positiv fällt zwar auf, dass entlang von Wegen und Straßen insgesamt extensiver gepflegt wird, doch fehlt der Verbund in die Fläche hinein. Negativ ist in diesem Zusammenhang auch, dass durch Flurbereinigungsverfahren noch immer viele Grünwege inklusive Ackerrandstreifen entfallen sollen, wie zum Beispiel in Bieberehren. Hier ist ein Nettoverlust von knapp 9,5 Kilometern vorgesehen,“ ergänzt Steffen Jodl. Bei den Gewässerrandstreifen kritisiert der BN vor allem die unzureichenden Vorgaben und das Tricksen bei den Vorgaben durch die Ministerien und das immer noch verbreitete Unverständnis des Bauernverbandes: „Anstatt sofort überall auf der Minimalbreite von 5 m auf Ackernutzung am Gewässer zu verzichten und diese Fläche für den Biotopverbund und Gewässerentwicklung zu nutzen, haben wir ein Jahr nach Inkrafttreten der Regelung noch viel zu viele Ausnahmen. Leider werden viele Gewässerrandstreifen auch unnötig abgemulcht, was der Artenvielfalt massiv schadet.“ Eine völlige Fehlanzeige ist bisher der Schutz der wertvollen Streuobstwiesen. Strenge Vorgaben des Umweltministeriums bremsen einen Schutz aus, obwohl das ganz klar dem Sinn des Volksbegehrens widerspricht. Der BN wird daher gegen die Verordnung klagen.

Neben der schleppenden Umsetzung, leider auch Blockade einiger staatlicher Verpflichtungen, müssen wir auch bilanzieren, dass in der Gesamt-Politik im Landkreis keine Trendwende zugunsten der Artenvielfalt erfolgt ist: Nach wie vor bedrohen Planungen, wie das Baugebiet „Obere Lehmgrube“ bei Ochsenfurt oder das Industriegebiet „Am Kirschberg IV“ bei Gerbrunn, wertvolle Lebensräume und Biotopflächen,“ kritisiert Steffen Jodl.

Die zentralen Forderungen des BN für das nächste Umsetzungsjahr für den Landkreis erläutert Armin Amrehn: Wir brauchen noch mehr Schub für einen großflächigen funktionierenden Biotopverbund, mehr Bio in allen Kantinen und allen Veranstaltungen, weniger Pestizideinsatz auf den Äckern, ein Naturwaldreservat im Gramschatzer Wald und weniger Flächenverbrauch.“

An den Landrat Thomas Ebert, den Oberbürgermeister der Stadt Christian Schuchardt und an die örtlichen MdLs Manfred Ländner, Patrick Friedl, Kerstin Celina und Volkmar Halbleib richtet der BN auch die Forderung, sich auf überregionaler Ebene für die nötige dauerhafte Finanzierung der Artenschutz-Instrumente und -Berater, für eine Änderung der Agrarpolitik, für ein verbindliches Flächensparziel und eine wirksame Klimaschutzpolitik einzusetzen, um wirklich eine Trendwende beim Schutz der Biodiversität zu erreichen. Dies dient auch dem Wohl des Menschen.

 

Der BN hat die Umsetzung des Volksbegehrens bayernweit in Form einer Ampel bewertet: https://www.bund-naturschutz.de/volksbegehren-artenvielfalt-aktueller-stand.html

Für Rückfragen:
Steffen Jodl
Diplom-Biologe
Geschäftsführer
Tel. 0931/43972
E-Mail: steffen.jodl@bn-wuerzburg.de