UMWELTBILANZ 2019 – AUSBLICK FÜR 2020

„Der BUND Naturschutz setzte sich auch im Jahr 2019 wieder intensiv für den Schutz von Natur und Umwelt und damit auch für die Menschen in Stadt und Landkreis Würzburg ein. „Insbesondere die Auswirkungen der rasch voranschreitenden Klimakrise, wie sterbende Bäume und sinkende Grundwasserstände, bestimmten unsere Schwerpunkte“ resümiert Armin Amrehn, 1. Vorsitzender des BUND Naturschutz Würzburg/BN. „Große Themen waren auch der Schutz der Artenvielfalt in Wald und Flur sowie der anhaltend hohe Flächenverbrauch“, beschreibt Steffen Jodl, Geschäftsführer der Kreisgruppe, weitere zentrale Thema des BN.

24.01.2020

Klimakrise muss gestoppt werden

Der Klimakrise ist auch in der Region Würzburg angekommen. Rund um Würzburg vertrockneten im Jahr 2019 sogar mächtige Buchen, die bisher eher als klimatolerant galten. Auch im Stadtgebiet Würzburg starben knapp 1500 Bäume, die für das Stadtklima von großer Wichtigkeit sind - alleine über 80 im Ringpark.
Auch viele Gräben und Bäche fielen trocken, die Grundwasserstände sackten weiter ab. Seit vielen Jahren gibt es schon keinen Überschuss mehr bei der Grundwasserneubildungsrate.
Dies zeigt deutlich, wie wichtig es ist, umfassenden und raschen Klimaschutz zu betreiben. Wir erleben die ersten Auswirkungen der Klimakrise und müssen leider feststellen, dass schon die Kosten für die Nachpflanzung der im Jahr 2019  in Würzburg abgestorbenen Stadtbäume nur schwer zu finanzieren sind.

 

Wasserschutz muss Vorrang haben

Die „Wasseraustriebspolitik“ der vergangenen Jahrzehnte leistet dem zunehmenden Wassermangel in der Region Vorschub. Viele Äcker sind drainiert und das Wasser wird über Gräben und meist begradigte und verbaute Bäche aus der Landschaft abgeleitet. Zudem trägt eine wenig boden- und grundwasserschonende Landwirtschaft sowie die anhaltende Flächenversiegelung dazu bei, dass die Grundwasserneubildung zurückgeht. Die Bewässerung in der Landwirtschaft muss daher den veränderten Bedingungen angepasst und deutlich reglementiert werden. Das Kontrollpersonal ist aufzustocken. Nur dann können illegale Grundwasserentnahmen wie in der Bergtheimer Mulde (rund 56000 Kubikmeter von 2015 bis 2018) sowie die unerlaubte Nutzung zum Waschen von Schotter in einem Steinbruch bei Thüngersheim rechtzeitig verhindert werden.
Der BUND Naturschutz fordert von der Politik und den Behörden, dem Grundwasserschutz die höchste Priorität einzuräumen und entsprechend zu handeln. Gerade in Hinblick auf den Klimawandel ist dies in unserer ohnehin niederschlagsarmen Region von höchster Wichtigkeit.

 

Flächenverbrauch muss deutlich reduziert werden

Trotz aller Lippenbekenntnisse der Politik, bleibt der Flächenverbrauch mit knapp 12 Hektar pro Tag in Bayern weiter viel zu hoch. Auch in der Region Würzburg ist kein Umdenken sichtbar. So plant der Markt Randersacker die Ausweisung weiterer 13 Hektar Gewerbeflächen im Maintal, obwohl noch 6,5 Hektar Gewerbeflächen leer stehen. In Waldbüttelbrunn wachsen die Gewerbeflächen im Wasserschutzgebiet der Zeller Quellen unaufhaltsam. In Gerbrunn werden erneut ökologisch wertvollste Flächen überplant. In Thüngersheim wurden  sogar schon vor der Einleitung eines Bauleitverfahrens Hecken und Streuobstbäume „vorsorglich“ gerodet. Dieser Verbrauch von Natur, Landschaft und wertvollster Böden ist nicht akzeptabel. Auch in Hinblick auf sinkende Grundwasserstände ist die Versiegelung der Landschaft endlich deutlich zu reduzieren. Hier sind auch die Kommunen gefordert, die jedoch nach wie vor ihre eigene Kirchturmpolitik betreiben und nach dem Motto „me first“ handeln.

 

Waldschutz muss vorangetrieben werden

Gerade in der waldarmen Verdichtungsregion Würzburg und angesichts des enormen Rückgangs bei Insekten und anderen Tiergruppen muss Waldschutz Vorrang vor allen anderen Nutzungsansprüchen haben. Für den BN ist es daher unverständlich, warum sich der Forstbetrieb Arnstein und das AELF Würzburg vehement dagegen wehren, 10 Prozent der Staatswaldfläche um Würzburg aus der Nutzung zu nehmen – so wie es das neue Waldgesetz ermöglicht. Dies erhöht auch die Klimatoleranz des Waldes. Auflichtungen und Freistellungen sind in Anbetracht der Klimaentwicklung kontraproduktiv für den Wald. Auch muss Totholz im Wald verbleiben und die Anzahl der Rückegassen (aktuell alle 20-30 Meter) deutlich reduziert werden, da diese eine unverträgliche Bodenverdichtung zur Folge haben.
Der BUND Naturschutz kämpfte daher auch gegen die Rodung von 10 ha Wald bei Thüngersheim für die Erweiterung eines Steinbruchs.

 

Verkehrswende muss gelingen

Der BUND Naturschutz unterstützt eine Verkehrswende in Würzburg und Umgebung hin zu mehr ÖPNV und weniger Lärm- und Schadstoffbelastungen in der Stadt. Mit dem Bündnis „Verkehrswende jetzt“ soll die Lebensqualität in der gerade von Feinstaub und Stickoxiden belasteten Stadt erhöht werden. Daher fordert der BUND Naturschutz unter anderem ein flächendeckendes Tempo 30 in der Innenstadt und eigene Busspuren - zum Beispiel am Greinberg/Europastern.

 

Arten- und Biotopschutz muss Beachtung finden

Der BN engagierte sich auch wieder praktisch im Artenschutz. Vor allem von den BN-Ortsgruppen wurden Magerrasen und Streuobstwiesen mit einer Gesamtfläche von über 17 Hektar betreut. Auch wurden zahlreiche Nistkästen gereinigt und Fledermausquartiere gesichert. Durch die Betreuung von rund 4 Kilometer Amphibienschutzzäunen bei Wind und Wetter wurden tausende Amphibien vor dem sicheren Straßentod bewahrt.
Auch das erfolgreiche „Bienenvolksbegehren“ unterstütze der BN in der Region.

Damit leistet der BUND Naturschutz einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung seltener Tier- und Pflanzenarten sowie des Landschaftsbildes, von dem letztendlich auch alle Bürgerinnen und Bürger profitieren.

 

Persönliche Energiewende, Erlebnisaktionen für Kinder und gute Resonanz bei der Mainfrankenmesse – BN in der Umweltbildung auch 2019 wieder erfolgreich

Auch 2019 gab es wieder ein vielfältiges Umweltbildungsangebot des BUND Naturschutz, das mit etwa 3500 Teilnehmern bei ca. 210 Veranstaltungen gut angenommen wurde.

Die Naturführungen wurden wieder rege nachgefragt, ebenso die Veranstaltungen zu Heilpflanzen und das Kinder- und Familienprogramm.

Für die praktische Umsetzung der persönlichen Energiewende informierte der BUND Naturschutz wieder sehr ausführlich z. B. zu den Themen Wärmedämmung, erneuerbare Energien und Passivhausbau.

Das Naturerlebnis-Programm für Schulklassen und Kindergärten nahmen diesmal 57 Gruppen wahr. Schwerpunktmäßig ging es dabei u. a. um das spielerische Kennenlernen der Lebensräume Wiese, Wald, Teich und Hecke.

Dazu kam 2019 noch ein Sonderprogramm zum Thema „Schmetterlinge – Die Meister der Verwandlung brauchen unsere Hilfe“, das von unserer Projektleiterin Dr. Martina Alsheimer mit einem Riesenerfolg durchgeführt wurde. 17 Schulklassen und 19 Kindergartengruppen wurden dabei spielerisch das Leben der Schmetterlinge und die Möglichkeiten ihres Schutzes vermittelt.

Das Thema „Schmetterlinge schützen“ war auch Thema des BN-Standes auf der Mainfrankenmesse – mit einer attraktiven Ausstellung dazu, die noch mit Schmetterlingsraupen-Schaukästen und einem Schmetterlings-Ratespiel ergänzt wurde. Weiterhin präsentierte der BN unter dem Motto „Bioregional – erste Wahl“ täglich im Wechsel verschiedene Bio-Erzeuger und -verarbeiter aus der Region. Mit unserem schönen Stand konnten wir damit wieder Tausende Menschen zu Umwelt- und Naturschutzthemen erfolgreich ansprechen.

 

gez. Armin Amrehn         gez. Steffen Jodl           gez. Klaus Isberner
1. Vorsitzende                Geschäftsführer            Bildungsreferent