UMWELTBILANZ 2018 – AUSBLICK FÜR 2019

„Der BUND Naturschutz setzte sich auch im Jahr 2018 wieder intensiv für den Schutz von Natur und Umwelt und damit auch für die Menschen in Stadt und Landkreis Würzburg ein. Insbesondere unser Beitrag „Artenvielfalt gestern-heute-morgen“ auf der Landesgartenschau fand großen Anklang in der Bevölkerung“, so Armin Amrehn, 1. Vorsitzender des BUND Naturschutz Würzburg/BN. „Ein großer Erfolg war für uns auch, dass das Landratsamt Würzburg endlich die fachgerechte Entsorgung von gesundheitsschädlichen Asphaltablagerungen im Schotterwerk bei Aub angeordnet hat“, beschreibt Steffen Jodl, Geschäftsführer der Kreisgruppe, ein weiteres zentrales Thema des BN. Aber auch die Rodung von wertvollen Waldflächen für eine Steinbrucherweiterung bei Thüngersheim erforderte den ganzen Einsatz des BN.

04.02.2019

Der Dreck kommt raus

Nach 2,5 Jahren hat das Landratsamt Würzburg im vergangenen Jahr endlich angeordnet, dass der Betreiber des Schotterwerks in Aub rund 6.600 Kubikmeter gesundheitsschädliche Asphaltablagerungen fachgerecht zu entsorgen hat. Dies ist ein Erfolg für den BUND Naturschutz, der den Umweltskandal öffentlich gemacht hat. Unsere Beharrlichkeit und breite Öffentlichkeitsarbeit war sicher mit entscheidend für die Anordnung des Landratsamtes. Da jedoch nicht bekannt ist, ob weiteres belastetes Material im Gelände vergraben ist, ist eine umfassende Untersuchung der Grundwasserströme unter dem Gelände dringend nötig.
Dieser Skandal hat auch gezeigt, dass das System der sogenannten „Eigenüberwachung“ gescheitert ist. Es benötigt ausreichend Kontrollpersonal bei den Behörden, um Verstöße rasch und umfassend aufdecken zu können, bevor sie sich zur Gefahr für Mensch und Umwelt entwickeln.

 

Waldrodung ohne ausreichende Prüfung

Bei Thüngersheim machte der BUND Naturschutz umfangreiche Waldrodungen in unmittelbarer Nähe von Schutzgebieten öffentlich und bemängelte die unzureichende Prüfung der Auswirkungen der dort geplanten Steinbrucherweiterung auf Natur und Umwelt. So fand keine Untersuchung der vorhandenen Tier- und Pflanzenarten statt. Es ist davon auszugehen, dass durch die Rodungsmaßnahmen, die noch nicht abgeschlossen sind, auch besonders geschützte Tierarten, wie die Haselmaus, zu Schaden gekommen sind. Weder die Regierung von Unterfranken, noch das Landratsamt Würzburg als Genehmigungsbehörde sind bisher auf unsere Forderungen nach den notwendigen artenschutzrechtlichen Prüfungen eingegangen.

 

Feldhamster weiter massiv bedroht

Keine entscheidenden Verbesserungen gab es bisher für den Feldhamster, der im Großraum Würzburg weiter um sein Überleben kämpft, nachdem er ansonsten bayerweit schon ausgestorben ist. Auch ein für den nördlichen Landkreis erstelltes Feldhamsterschutzkonzept ist hierbei nicht zielführend, da es nicht dazu beiträgt, Eingriffe in den Lebensraum des Feldhamsters zu reduzieren, sondern den Kommunen sogar weitere Möglichkeiten eröffnet.
Der BUND Naturschutz fordert daher gebetsmühlenartig eine umfassende feldhamsterfreundliche Bewirtschaftung der Ackerflächen und eine deutliche Reduktion von Eingriffen in seinen Lebensraum.
Unfassbar ist in diesem Zusammenhang, dass bei Bergtheim Ausgleichsflächen für den Feldhamster im Auftrag der Gemeinde umgebrochen wurden.

 

Landschaftsschutz wird ignoriert

Erneut wurden die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes im Taubertal zu Gunsten eines Baugebietes verschoben. Die Stadt Röttingen möchte einen weit einsehbaren Hang am Kapellenberg bebauen. Als „Ersatz“ wird unter anderem eine ehemalige Mülldeponie in das Schutzgebiet aufgenommen. Doch dies  ist eine Mogelpackung, denn die Hangbebauung wird das Landschaftsbild über Röttingen massiv beeinträchtigt. Das ändert sich auch nicht, wenn man nun eine ehemalige Mülldeponie unter Schutz stellt.

 

Austritt aus Landschaftspflegeverband

Der Austritt aus dem Landschaftspflegeverband/LPV im Landkreis Würzburg war für den BUND Naturschutz kein leichter, aber notwendiger Schritt. Nachdem der LPV, gegen die Vorgaben seines Dachverbandes verstoßend, der Betreuung von Ausgleichsmaßnahmen für die Umgehungsstraße Giebelstadt kompromisslos zugestimmt hatte, musste der BN den LPV verlassen. Der BN hätte sich ansonsten indirekt an umfassenden Eingriffen in den vom Aussterben bedrohten Feldhamster beteiligt und wäre in seinem Bestreben, diese Art zu erhalten, unglaubwürdig geworden.

 

Klimaschutz nötiger denn je

Der Klimawandel schreitet ungehindert voran. Wichtig ist es daher, dass Bemühungen zur deutlichen Reduktion von Treibhausgasen forciert werden. Die Reduktion des Autoverkehrs ist hierbei eine wichtige Stellschraube. Der BUND Naturschutz sieht daher zum Beispiel eine umfassende Stärkung des ÖPNV als dringend geboten an und legte der Stadt Würzburg einen Vorschlag zur Pflanzung von Bäumen vor. Wir begrüßen in diesem Zusammenhang auch, dass die Forderungen nach mehr Klimaschutz zunehmend auch durch die junge Generation vorangetrieben werden (Schülerproteste).

 

Arten- und Biotopschutz – eine zentrale Säule beim BN

Der BN engagierte sich auch wieder praktisch im Artenschutz. Vor allem von den BN-Ortsgruppen wurden nicht nur rund 40 BN-eigenen Flächen mit einer Gesamtfläche von über 17 Hektar betreut, sondern auch andere ökologisch wertvolle Grundstücke gepflegt und damit erhalten. So wurden Streuobstwiesen, Schilfflächen und Halbtrockenrasen gemäht, Hecken und Bäume gepflanzt, Kopfweiden gepflegt, Gewässer unterhalten, Nistkästen gereinigt und Fledermausquartiere gesichert. Durch die Betreuung von rund 4 Kilometer Amphibienschutzzäunen bei Wind und Wetter wurden tausende Amphibien vor dem sicheren Straßentod bewahrt.

Damit leistet der BUND Naturschutz einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung seltener Tier- und Pflanzenarten sowie des Landschaftsbildes, von dem letztendlich auch alle Bürgerinnen und Bürger profitieren.

 

Umweltbildung

Persönliche Energiewende, Erlebnisaktionen für Kinder und große Resonanz bei der Landesgartenschau –

BN in der Umweltbildung auch 2018 wieder erfolgreich

 

Auch 2018 gab es wieder ein vielfältiges Bildungsprogramm, das mit insgesamt ca. 3000 Besuchern bei 180 Veranstaltungen gut angenommen wurde.

Die angebotenen Naturführungen wurden wieder rege nachgefragt, ebenso die Veranstaltungen zu Heilpflanzen und das Kinder- und Familienprogramm.

Für die praktische Umsetzung der persönlichen Energiewende informierte der BUND Naturschutz sehr ausführlich z. B. zu den Themen Wärmedämmung, erneuerbare Energien und Passivhausbau.

Das Programm für Schulklassen und Kindergärten nahmen diesmal 60 Gruppen wahr. Schwerpunktmäßig ging es dabei u. a. um das spielerische Kennenlernen der Lebensräume Wiese, Wald, Teich und Hecke.

Das Highlight unserer Umweltbildungsarbeit war aber 2018 die Beteiligung an der Landesgartenschau unter dem Motto „Artenvielfalt gestern-heute-morgen“.

 

Landesgartenschau 2018 in Würzburg – ein voller Erfolg für den BN

Die BUND Naturschutz-Kreisgruppe Würzburg ist mit seiner Landesgartenschau-Beteiligung sehr zufrieden. Das Ziel, möglichst vielen Menschen aufzuzeigen, wie wichtig der Erhalt und die Förderung unserer heimischen Pflanzen-, Tier- und Pilzwelt ist, ist zu 100 % erfüllt worden. Mit den Schwerpunkten „heimische Schmetterlinge“, „alte Gemüsesorten“ und „Heilpflanzen“ lag die Kreisgruppe goldrichtig, wie das rege Besucherinteresse aufzeigte.
Aber auch die anderen Themen, wie z. B. Wildkatze, Biber, Feldhamster, Wildbienen oder Orchideen fanden eine große Resonanz.
Das umfangreiche Veranstaltungsprogramm mit mehr als 700 Einzelveranstaltungen war mit etwa 9000 Gästen gut besucht. Hier wurden viele Anregungen weitergegeben, wie man selbst im Alltag für den Naturschutz aktiv werden kann. Das Highlight des BN-Beitrages war natürlich die Schmetterlingsvoliere mit heimischen Schmetterlingen, die hervorragend ankam.

 

gez. Armin Amrehn         gez. Steffen Jodl           gez. Klaus Isberner
1. Vorsitzende               Geschäftsführer             Bildungsreferent

 

 

Für Rückfragen:                                    
Steffen Jodl
Diplom-Biologe
Geschäftsführer
Tel. 09 31/43972
E-Mail: steffen.jodl@bn-wuerzburg.de

 

Hintergrundinformation: BUND Naturschutz (BN)
Der BN ist mit rund 225.000 Mitgliedern der größte Natur- und Umweltschutzverband Bayerns. Die Kreisgruppe Würzburg hat in Stadt und Landkreis rund 6.500 Mitglieder. Wir setzen uns für unsere Heimat und eine gesunde Zukunft unserer Kinder ein – bayernweit und direkt vor Ort. Und das seit 100 Jahren. Der BN ist darüber hinaus starker Partner im deutschen und weltweiten Naturschutz. Als Landesverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist der BN Teil des weltweiten Umweltschutz-Netzwerkes Friends of the Earth International. Als starker und finanziell unabhängiger Verband ist der BN in der Lage, seine Umwelt- und Naturschutzpositionen in Gesellschaft und Politik umzusetzen.