UMWELTBILANZ 2017 - AUSBLICK FÜR 2018

„Der BUND Naturschutz war auch im Jahr 2017 wieder intensiv für die Bürgerinnen und Bürger in Stadt und Landkreis Würzburg aktiv“, so Armin Amrehn, 1. Vorsitzender des BUND Naturschutz Würzburg/BN. „Ein großer Erfolg war dabei das gewonnene Bürgerbegehren in Würzburg zur Begrünung des Kardinal-Faulhaber-Platzes“, beschreibt Steffen Jodl, Geschäftsführer der Kreisgruppe, ein zentrales Thema des BN im Jahr 2017. Aber auch der ungezügelte Verbrauch wertvollsten Ackerlandes und die Bedrohung von Arten wie dem Feldhamster, bestimmten die Arbeit des BN. Eine große Herausforderung im Jahr 2018 ist zudem die Landesgartenschau auf der der BN täglich die Besucher umfassend zum Natur- und Umweltschutz informieren wird.

27.02.2018

Bürgerbegehren „Grüner Platz am Theater“ gewonnen
Eine überragende Mehrheit hat sich in Würzburg für eine umfassende Begrünung des Kardinal-Faulhaber-Platzes ohne Tiefgarage entschieden. Diese Entscheidung macht klar, dass sich die Würzburger Bürgerinnen und Bürger dringend eine deutliche Reduktion des Autoverkehrs in der Würzburger Innenstadt wünschen und zudem fürmehr Grün eintreten.  Dieser Entscheid ist damit auch ein Auftrag  an die Stadt, Maßnahmen in Gang zu setzen, die den ÖPNV  und nicht den motorisierten Individualverkehr fördern. Gleichzeitig muss gerade die Innenstadt konsequent durchgrünt werden. Nur dies schafft eine hohe Aufenthaltsqualität, von der letztendlich auch der Einzelhandel profitiert. Die Rodung der vier großen Platanen am Theater muss als Rückschritt gewertet werden. Diese sind nicht zu ersetzen.

 

Luftreinhalteplan ein Desaster
Der Luftreinhalteplan soll eigentlich sicherstellen, dass die Grenzwerte für Luftschadstoffe nicht überschritten werden. Hauptverursacher sind Dieselfahrzeuge.  Der in 2017 von der Regierung von Unterfranken vorgelegte  Entwurf zur Fortschreibung des Luftreinhalteplans war jedoch nicht geeignet, die Einhaltung der Grenzwerte zu erreichen. So wurden veraltete Emissionsfaktoren benutzt, die die tatsächlichen Abgas-Werte ignorierten. Auf diese Weise wurde die Prognose schöngerechnet und behauptet, an fast allen Problemstraßen würden die Stickstoffdioxid- und Feinstaub Werte sich quasi von selbst verbessern und die Grenzwerte bis spätestens 2025 eingehalten - nämlich allein durch den Umstieg auf schadstoffärmere Fahrzeuge. Der BUND Naturschutz kritisierte dieses Vorgehen und forderte konkrete Maßnahmenvorschläge zur raschen Verbesserung der Situation.

 

Umweltskandal bei Aub – ein Dauerbrenner
Der wohl größte Umweltskandal der Region ist nach wie vor nicht gelöst. Noch immer liegt tonnenweise schadstoffbelastetes Material in einem Schotterwerk bei Aub. Mit jedem Tag der vergeht wächst das Risiko, dass sich Schadstoffe auch im Grundwasser ansammeln. Der BNdrängt daher weiter auf eine rasche und fachgerechte Entsorgung und fordert die Behörden auf, entsprechend zu handeln.

 

Feldhamster massiv bedroht
Die Intensivierung in der Landwirtschaft und der Verlust von Lebensraum bringen den Feldhamster in immer größere Bedrängnis. So wird zunehmend klar, dass er vor allem im südlichen Landkreis Würzburg immer seltener anzutreffen ist und in wenigen Jahren dort vielleicht schon ganz verschwunden sein wird. Aber auch im nördlichen Landkreis droht eine zunehmende Isolierung von Teilbeständen. Der BUND Naturschutz forderte daher erneut durchgreifende Maßnahmen, um ein Überleben des  europaweit geschützten Feldhamster in Bayern zu ermöglichen.
Besonders negativ
war in diesem Zusammenhang der Umgang mit dem Feldhamster in Rottendorf. Hier hatte die Gemeinde – trotz Einspruch durch den BN  - zunächst auf eine Kartierung des Feldhamsters verzichtet. Nachdem der Feldhamster dann doch von einer Privatperson dort nachgewiesen wurde, hat man die Tiere auf den Flächen, die zeitnah bebaut werden sollen, vertrieben. Rund 17 ha Fläche werden dort insgesamt überplant.

 

Flächenschutz nötiger denn je
Der Flächenverbrauch ist in Bayern nach wie vor viel zu hoch. Er lag im Jahr 2016 bei rund 10 ha pro Tag! Und das auch nur, weil eine neue Berechnungsmethode ausgewiesene, aber noch nicht bebaute Flächen, nicht mehr berücksichtigt. Gerade in der Region um Würzburg wirkt sich dies besonders negativ aus, da hier hektarweise wertvollstes Ackerland unter Beton und Asphalt verschwindet. So plant die Gemeinde Unterpleichfeld 14 ha zu überbauen, die Gemeinde Bergtheim 7 ha.

 

Grundwasserschutz im Zeichen des Klimawandels
Die Zunahme von ausgedehnten Trockenperioden haben in den vergangenen Jahren die Grundwasserspiegel deutlich fallen lassen. Nicht selten wurden neue Tiefststände erreicht. Der BN führte daher Gespräche mit der Regierung von Unterfranken und dem Amt für Landwirtschaft, um sicherzustellen, dass der Trinkwasserschutz oberste Priorität vor der landwirtschaftlichen Bewässerung genießt.

 

Arten- und Biotopschutz – eine zentrale Säule beim BN
Der BN engagierte sich auch wieder praktisch im Artenschutz. Vor allem von den BN-Ortsgruppen wurden nicht nur rund 40 BN-eigenen Flächen mit einer Gesamtfläche von über 17 Hektar betreut, sondern auch andere ökologisch wertvolle Grundstücke gepflegt und damit erhalten. So wurden Streuobstwiesen, Schilfflächen und Halbtrockenrasen gemäht, Hecken und Bäume gepflanzt, Kopfweiden gepflegt, Gewässer unterhalten, Nistkästen gereinigt und Fledermausquartiere gesichert. Durch die Betreuung von rund 4 Kilometer Amphibienschutzzäunen bei Wind und Wetter wurden tausende Amphibien vor dem sicheren Straßentod bewahrt. Damit leistet der BUND Naturschutz einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung seltener Tier- und Pflanzenarten sowie des Landschaftsbildes, von dem letztendlich auch alle Bürgerinnen und Bürger profitieren.

 

Wildkräuter, persönliche Energiewende und Erlebnisaktionen für Kinder – BN in der Umweltbildung auch 2017 wieder erfolgreich
Auch 2017 gab es wieder ein vielfältiges Bildungsprogramm, das mit insgesamt ca. 3000 Besuchern bei 180 Veranstaltungen gut angenommen wurde. Die angebotenen Naturführungen wurden wieder rege nachgefragt, ebenso die Veranstaltungen zu Wildkräutern und das Kinder- und Familienprogramm. Für die praktische Umsetzung der persönlichen Energiewende informierte der BUND Naturschutz sehr ausführlich z. B. zu den Themen Wärmedämmung, erneuerbare Energien und Passivhausbau. Das Programm für Schulklassen und Kindergärten nahmen diesmal 70 Gruppen wahr. Schwerpunktmäßig ging es dabei u. a. um das spielerische Kennenlernen der Lebensräume Wiese, Wald, Teich und Hecke. Außerdem beteiligten wir uns mit jeweils einem Stand zum Tag der Biodiversität und zum Tag des Baumes. Wie jedes Jahr waren wir auch 2017 mit zahlreichen Veranstaltungen an den BayernTourNatur-Aktionen des Bayer. Umweltministeriums vertreten. Das Pfingstferienprogramm in Kooperation mit dem Stadtjugendamt begeisterte wieder zahlreiche Kinder. Ein Highlight unserer Umweltbildungsarbeit war 2017 die Beteiligung an der Mainfrankenmesse. Die Themen „Feldhamster“, „ökologische Landwirtschaft“ und „regionale Bioküche“ wurden in attraktiven erlebnisorientierten Ständen verpackt und kamen sehr gut an.
Bei der Landesgartenschau 2018 werden wir mit einem breiten Bildungsprogramm vertreten sein und heimische Schmetterlinge vorstellen.

 

gez. Armin Amrehn         gez. Steffen Jodl           gez. Klaus Isberner
1. Vorsitzende                 Geschäftsführer            Bildungsreferent