Der Irtenberger Wald westlich von Würzburg wird auf 510 ha Naturwald – auch ein Erfolg hartnäckiger Bemühungen der BUND Naturschutz- Kreisgruppe Würzburg

Foto: Totholz ; Autor: BUND Naturschutz-Kreisgruppe Würzburg

12.06.2020

Im Landkreis Würzburg liegen drei größere Staatswaldgebiete. Neben den regional bekannten Wäldern Gramschatzer Wald und Guttenberger Wald ist der Irtenberger Wald bisher weniger im Bewusstsein der Landkreisbewohner verankert. Dieses ca. 1400 ha große Waldgebiet zieht sich entlang der A3 von den Gemarkungen der Gemeinden Kleinrinderfeld und Kist bis zur Autobahnabfahrt Helmstadt. Es befindet sich im Eigentum des Freistaates Bayern und wird von den Staatsforsten betreut. Bereits 2016 hat der Landesverband des BUND Naturschutz dieses Waldgebiet in einer Studie „Mehr Naturwälder für Bayern" als Schutzgebiet vorgeschlagen. Dass es nun so unvermittelt dazu kommt, ist selbst für den Vorsitzenden der BUND Naturschutz-Kreisgruppe Würzburg, Armin Amrehn, überraschend: „Seit nunmehr über zwei Jahren sind wir im intensiven Kontakt mit Christoph Riegert, dem Leiter des Forstbetriebes Arnstein der Bayerischen Staatsforsten, um eine Ausweisung von weiteren Schutzgebieten im Landkreis Würzburg zu erreichen. Bislang lehnte der Forstbetrieb weitere großflächige nutzungsfreie Waldgebiete im Raum Würzburg entschieden ab.“

„Gerade die Rotbuchen im Irtenberger Wald sind durch die Trockenjahre 2018 und 2019 stark geschädigt. Viele der Altbuchen, die bis zu 180 Jahre alt sind und in dieser Zeit Baumhöhen von über 40 Metern erreicht haben, zeigen starke Absterbeerscheinungen", so Armin Amrehn. Der Wald befindet sich jetzt durch das kleinflächige und einzelne Absterben der Bäume in einer Zerfallsphase, wie in einem Urwald. Diese Phase ist für die gesamte Lebensgemeinschaft des Waldes von ganz entscheidender Bedeutung. Selten gewordene Insekten wie der Hirschkäfer und der Eremit können nun ungestört das für sie so wichtige Totholz besiedeln. Sie finden dort ein Rückzugsgebiet zum Überleben.

Das Naturwaldgebiet Irtenberger Wald bietet jetzt die Chance, natürliche Waldprozesse hautnah auf größerer Fläche zu erleben. Dies ist ein besonderes Geschenk für unseren Landkreis und seine Bewohner. Wie dieses langsame Naturgeschehen den Bürgern zugänglich gemacht wird, ist jetzt die große Frage. Ersten Ideen, beispielsweise die Errichtung eines Aussichtsturmes, erteilt der BUND Naturschutz eine klare Absage. Die Natur, ihre seltenen Kostbarkeiten und vielfältigen Geheimnisse sollten eher im Mittelpunkt stehen. Diese können durch ein kurzfristiges Aussichtsturmerlebnis nicht erfasst werden. Das neue Waldschutzgebiet sollte vielmehr dazu beitragen die Verbundenheit zur Natur und die Artenkenntnis der Menschen zu stärken und zu verbessern. Dazu wird die Kreisgruppe des BUND Naturschutz mit ihren engagierten ehrenamtlichen Naturschützern, Biologen und Waldexperten gerne einen Beitrag leisten.

„Gleichzeitig werden wir die anderen ökologisch herausragenden Buchenwaldgebiete im Landkreis nicht aus den Augen verlieren. Prädestiniert für weitere nutzungsfreie Gebiete seien auch Waldflächen um Gramschatz unweit des Walderlebniszentrums Einsiedel sowie Teile des Guttenberger Waldes am Rande der Stadt Würzburg.“, so Amrehn.

Für Rückfragen:

Armin Amrehn, 1. Vors. BUND Naturschutz-Kreisgruppe Würzburg

und

Steffen Jodl, Diplom-Biologe
Geschäftsführer BN Würzburg
Tel. 0931/43972
E-Mail: steffen.jodl@bn-wuerzburg.de

        
Hintergrundinformation: BUND Naturschutz (BN)
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