BUND NATURSCHUTZ: NATURSCHUTZKONZEPT DES FORSTBETRIEBES IST UNZUREICHEND

Ende September hat der Forstbetrieb Arnstein sein überarbeitetes „Naturschutzkonzept“ vorgestellt. Schon im Vorfeld hatte der BUND Naturschutz Würzburg/BN gefordert, dass im waldärmsten Landkreis Bayerns der Waldnaturschutz einen größeren Stellenwert erhält und daher im Guttenberger Forst und Gramschatzer Wald mindestens 10 Prozent aus der Waldnutzung genommen werden müssen. „Die Ausweisung eines Naturwaldreservates im Gramschatzer Wald wäre in diesem Zusammenhang sinnvoll. Doch die BN-Forderungen, die in Einklang mit dem Waldgesetz stehen, wurden mehrfach und vehement abgelehnt, zuletzt öffentlich bei der 7. Naturschutztagung der Bayerischen Staatsforsten im Gramschatzer Wald durch Vertreter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Würzburg und der Bayerischen Staatsforsten“, resümiert Armin Amrehn, 1. Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Würzburg. „Der BN ist enttäuscht über die mangelnde Bereitschaft zur Schaffung von Naturwaldflächen, die für die Förderung der Biodiversität und zahlreicher bedrohter Arten im Wald, wie Halsbandschnäpper oder Mittelspecht, unbedingt notwendig sind. Stattdessen reduziert man den Schutz auf einzelne kleine Biotopinseln“, so Steffen Jodl, Geschäftsführer der Kreisgruppe.

11.10.2019

Nach dem „Bienenvolksbegehren“ wurde auch das Bayerische Waldgesetz angepasst und so bis 2023 ein Netzwerk aus Naturwaldflächen ohne Bewirtschaftung auf 10 Prozent der Staatswaldflächen vorgesehen. Mit dem neuen Naturschutzkonzept hätte der Forstbetrieb Arnstein diese sinnvolle Forderung leicht auch in den größeren Wäldern um Würzburg umsetzen können. Auch die Naturschutzbehörden bei der Regierung von Unterfranken und dem Landratsamt Würzburg machten bei der Vorstellung des Naturschutzkonzeptes auf diese Notwendigkeit aufmerksam.  Zusammenhängende, größere Einheiten im Wald, die aus der Nutzung genommen werden, sind wichtig für den Erhalt der Biodiversität. Biotopinseln reichen nicht aus. Unter anderem könnte so die Anzahl der Höhlenbäume erhöht werden. Laut Forstbetrieb Arnstein gibt es zurzeit 2 lebende Höhlenbäume je Hektar im Zuständigkeitsbereich. Der Mittelspecht  benötigt jedoch mindestens 6, der Halsbandschnäpper sogar 10 Höhlenbäume. Dennoch werden Bäume mit einem Stammdurchmesser von knapp 80 cm vermehrt gefällt.

Erschreckend ist, dass auch künftig die Naturwaldreservatsfläche im Landkreis Würzburg mit zusammenhängendem alten Buchenwald nur 0,6 Prozent der Staatswaldfläche betragen soll. Die neuen Herausforderungen des Klimawandels für den Wald und dessen herausragender Artenvielfalt versucht man weiterhin mit den alten Konzepten zu bewältigen. Dies zeigt, dass hier dringend nachgebessert werden muss.

In diesem Zusammenhang kritisiert der BUND Naturschutz auch die aktuell begonnene umfassende Entnahme von abgestorbenen Bäumen im Wald. Beispiele, wie der Nationalpark Bayerischer Wald, zeigen dabei deutlich, dass im Schutz des stehenden und liegenden Totholzes eine Naturverjüngung leichter gelingt, als in einem „aufgeräumten“ Wald.

Der BUND Naturschutz widerspricht auch der Aussage der Bayerischen Staatsforsten, nur ein bewirtschafteter Wald sei ein Klimaschutzwald. Mehrere wissenschaftliche Studien belegen, dass alte bzw. nutzungsfreie Wälder erhebliche Mengen an Kohlendioxid speichern, v.a. im Boden und in alten Bäumen. Dies geschieht über sehr lange Zeiträume hinweg und übertrifft die Leistung herkömmlicher Wirtschaftswälder deutlich. 

Für Rückfragen:
Steffen Jodl
Diplom-Biologe
Geschäftsführer
Tel. 0931/43972
E-Mail: steffen.jodl@bn-wuerzburg.de

 

Hintergrundinformation: BUND Naturschutz (BN)
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