BUND NATURSCHUTZ: INDUSTRIEGEBIET BEI GERBRUNN GEHT AUF KOSTEN VON MENSCH, NATUR UND UMWELT VORBEREITENDE MAßNAHMEN BEREITS ERFOLGT

Die Gemeinde Gerbrunn plant am Kirschberg ein Industriegebiet auf einer Fläche von knapp 1,3 Hektar. „Wertvollste Lebensräume für zahlreiche bedrohte Arten würden verschwinden“, stellt Armin Amrehn, 1. Vorsitzender der BUND Naturschutz-Kreisgruppe Würzburg/BN, fest. „Zudem würde sich eine zusätzliche Lärm- und Staubbelastung sicherlich auch auf Wohngebiete auswirken“, so Mirjam Falge, Vorsitzende der Ortsgruppe Gerbrunn. „Auch das Kleinklima und das Landschaftsbild wären erheblich beeinträchtig“, kritisiert Steffen Jodl, BN-Geschäftsführer die Planung.

05.03.2019

Das überplante Gebiet – mit einer Eingriffsfläche von 12.820 Quadratmeter - stellt ein eng verzahntes Mosaik aus alten Streuobstbäumen (mit hohem Totholzanteil!), Hecken und Magerrasen auf einem trockenen Südosthang dar. Dies bewirkt eine hohe ökologische Wertigkeit der Fläche, die Deckung, Nahrung und Nistmöglichkeiten für zahlreiche Arten bietet. Die Fläche ist biotopkartiert und lokal bedeutsam für den Biotopverbund „Maintalhänge und Nebentäler südl. Würzburg“. Neben zahlreichen gefährdeten Fledermaus- und Vogelarten sowie Tagfaltern, Heuschrecken, und weiteren Insektengruppen, wird das Gebiet auch von Zauneidechse und Schlingnatter als Lebensraum genutzt. „Ein Eingriff in dieses Gebiet würde zu einem erheblichen Verlust von immer seltener werdenden Lebensräumen führen“, so der Biologe Steffen Jodl. „Erst vor wenigen Jahren wurde in Gerbrunn wertvollster Lebensraum für das Baugebiet Kirschberg III geopfert. Damit muss endlich Schluss sein!“, fordert Armin Amrehn.

„Ein Überschreiten der Orientierungswerte für Lärm soll laut Begründung zum Bebauungsplan möglich sein, weshalb eine Festsetzung als Industriegebiet geplant ist“, weiß Mirjam Falge. Ein Nachtbetrieb wird nicht ausgeschlossen. Auswirkungen auf Mensch (Entfernung zu bewohntem Gebiet maximal 150 Meter!) und Natur (weitere Biotopflächen direkt angrenzend!) sind jedoch nicht dargestellt. Von einer erhöhten Staubentwicklung ist auszugehen. Ein immissionsschutzfachliches Gutachten fehlt.

Der Umweltbericht bestätigt auch, dass dem Gebiet eine „klimatische Ausgleichsfunktion für die umliegenden Siedlungs- und Verkehrsflächen“ zukommt und der Kaltluftabfluss über die (noch!) offene Geländemulde und die Straßenflächen am Hangfuß erfolgt. Hinzu kommt, dass „mit Abschieben des Oberbodens und der Vegetationsschicht, Abgrabung von Gesteins- und Erdmaterialien sowie der anschließenden Bebauung der ebenen Flächen mit einer erhöhten Erwärmung beziehungsweise Abstrahlungen/Reflexionen im Plangebiet zu rechnen ist“.

Auch sind die Auswirkung auf das Landschaftsbild gemäß Umweltbericht erheblich: „Die … vorgesehenen Abgrabungen führen zu einem beträchtlichen Geländeeinschnitt, der zusammen mit der geplanten Bebauung das gewohnte Landschaftsbild nachhaltig verändert. ... Auch mit umfassenden Gehölzpflanzungen und einer landschaftsangepassten Bauweise lässt sich der Geländeeinschnitt und der Blick auf die geplanten, großen Gebäude nicht gänzlich kaschieren. Das gewohnte Landschaftsbild wird nachhaltig verändert“.

Scharf kritisiert der BN  auch die in den letzten Februartagen erfolgten Eingriffe in Hecken im Plangebiet. Obwohl das Planverfahren noch nicht abgeschlossen ist, wurden schon vorbereitende Maßnahmen getroffen, die wohl auch dazu dienen sollen, Zauneidechsen und Schlingnattern leichter aus dem Gebiet entfernen zu können.

 

Für Rückfragen:
Steffen Jodl
Diplom-Biologe
Geschäftsführer
Tel. 0931/43972
E-Mail: steffen.jodl@bn-wuerzburg.de

 

Hintergrundinformation: BUND Naturschutz (BN)
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