BUND NATURSCHUTZ ERSCHÜTTERT ÜBER GEPLANTE WALDRODUNG BEI THÜNGERSHEIM

Knapp 10 ha wertvoller Laubmischwald sollen nach Informationen des BUND Naturschutz/BN schon im Oktober bei Thüngersheim, Landkreis Würzburg, gerodet werden. Angrenzend an den bestehenden Steinbruch der Firma Benkert soll eine erste Erweiterung nach Süden erfolgen. „Der BUND Naturschutz ist über den enormen Umfang erschüttert“, so Armin Amrehn, 1. Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Würzburg. „Dies würde nicht nur einen wertvollen Lebensraum zerstören, sondern auch den restlichen Waldteil, der überwiegend national und europarechtlich geschützt ist, in seiner Existenz massiv gefährden“, befürchtet Steffen Jodl, Geschäftsführer beim BN.

15.10.2018

Die Genehmigung für diesen ersten Abbauabschnitt wurde schon vor rund 10 Jahren erteilt. Die Daten über betroffenen Arten, die der Genehmigung zugrunde lagen, sind heute jedoch absolut veraltet. Auch wurde keine umfassende artenschutzrechtliche Prüfung durchgeführt. „So wurden keine Tierarten vor Ort erfasst, sondern lediglich damals schon bestehende Kartierungen als Grundlage herangezogen“, weiß Steffen Jodl vom BN. Der BN fordert daher eine neue artenschutzrechtliche Untersuchung, welche die heute vorkommenden Arten umfassend berücksichtigt. So ist dem BN bekannt, dass das Waldgebiet vor allem im Winter vom Uhu als Jagd- und Rückzugsrevier genutzt wird. Auch Jungtiere wurden dort schon beobachtet. Europarechtlich geschützte Fledermausarten und die gefährdete Haselmaus haben im Gebiet ebenfalls einen Lebensraum. Ausgleichsmaßnahmen für diese Arten sind jedoch nicht geplant. Es wurde lediglich postuliert, dass diese Arten in der Umgebung genügend Ausweichmöglichkeiten hätten. Dies wurde aber nicht untersucht.

Der BN wundert sich auch, dass eine Rodungsgenehmigung erteilt wurde, obwohl es sich laut Regionalplan größtenteils um Bannwald handelt. Dieser müsste dann gemäß Waldgesetz angrenzend an den bestehenden Wald wieder aufgeforstet werden.

Der BN befürchtet auch, dass der übrige Waldteil, der als Naturschutzgebiet bzw. über die europaweit gültige Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt ist, durch die angrenzende Rodung im Bestand massiv gefährdet ist. „Die Waldöffnung würde dazu führen, dass Winde stark angreifen können und den Wald schädigen. Der dort geplante Steinbruch mit einer Abbautiefe von bis zu 110 Meter könnte zudem zu einer Austrocknung des angrenzenden Waldes führen, da es zu einer Grundwasserabsenkung komme“, zeigt sich Armin Amrehn besorgt. „Das wäre der Todesstoß für den ohnehin schon unter Trockenstress leidenden Wald“, kritisiert Steffen Jodl das Vorhaben.

 

Für Rückfragen:                                    
Steffen Jodl
Diplom-Biologe
Geschäftsführer
Tel. 09 31/43972
E-Mail: steffen.jodl@bn-wuerzburg.de

 

Hintergrundinformation: BUND Naturschutz (BN)
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