BUND NATURSCHUTZ APPELLIERT AN KREISTAG: KEINE WEITERE BEBAUUNG IM LANDSCHAFTSSCHUTZGEBIET

Erneut sollen die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes im Taubertal zu Gunsten eines Baugebietes verschoben werden. Die Stadt Röttingen möchte einen weit einsehbaren Hang am Kapellenberg bebauen. „Als „Ersatz“ soll unter anderem eine ehemalige Mülldeponie in das Schutzgebiet aufgenommen werden“, weiß Armin Amrehn, 1. Vorsitzender der Kreisgruppe Würzburg des BUND Naturschutz. „Dies ist eine Mogelpackung“, kritisiert Steffen Jodl, Geschäftsführer beim BN, die Planung, „denn die Hangbebauung würde das Landschaftsbild über Röttingen massiv beeinträchtigt. Das ändert sich auch nicht, wenn man nun eine ehemalige Mülldeponie unter Schutz stellt.“

12.10.2018

Schon im Jahr 2000 beschloss der Würzburger Kreistag auf Antrag der Gemeinden im Taubertal zahlreiche Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet/LSG „Täler der Tauber, Gollach, Steinach und umgebende Wälder“ herauszulösen, um eine Bebauung landschaftlich wertvoller Bereiche zu ermöglichen. Unter anderem ist so die Entstehung eines Hauses in Alleinlage über Tauberrettersheim möglich geworden. Eigentlich sollte es keine weiteren Veränderungen mehr geben. Doch nun beantragte die Stadt Röttingen erneut eine Verschiebung der LSG-Grenzen. So soll zum Beispiel nur wenige Meter unterhalb des Käpelle am Kapellenberg ein lukratives Baugebiet mit einer Größe von rund 26.000 Quadratmetern erschlossen werden.  
Der Kapellenberg ist aber ein wichtiger Aussichtspunkt - mit seiner Kapelle ein Blickfang in der Region und von besonderer landschaftlicher Bedeutung. Die Fläche liegt zudem in einem Vogelschutzgebiet, ist damit europarechtlich geschützt und grenzt unmittelbar an ein FFH-Schutzgebiet an.  

Der Bau- und Umweltausschuss des Landkreises hat den Plänen schon zugestimmt. BUND Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz und der Naturschutzbeirat des Landkreises Würzburg hatten sich zuvor klar gegen das Vorhaben ausgesprochen.
Eine ehemalige Mülldeponie und eine bestehende Ausgleichsfläche, sollen nach den Plänen der Stadt Röttingen als Ersatz in das LSG aufgenommen werden.
Der BUND Naturschutz appelliert eindringlich an den Kreistag, dieser Mogelpackung nicht zuzustimmen. Zwar würde das LSG dadurch insgesamt an Fläche gewinnen, aber ein zentrales Schutzziel – die Bewahrung der Schönheit, Vielfalt und Eigenart des Landschaftsbildes – wird so missachtet. Beide Ersatzflächen werden für eine Bebauung ohnehin nie zur Verfügung stehen. Eine Unterschutzstellung stellt damit auch keine Verbesserung dar. Die Bebauung am Kapellenberg wäre jedoch ein klarer Eingriff in das Landschaftsbild sowie in ein wertvolles Vogelschutzgebiet, in dem auch der Neuntöter noch einen Lebensraum hat.

Wohl am 22.10.2018 wird der Kreistag des Landkreises Würzburg endgültig über den Antrag der Stadt Röttingen entscheiden.

 

Für Rückfragen:                                    
Steffen Jodl
Diplom-Biologe
Geschäftsführer
Tel. 09 31/43972
E-Mail: steffen.jodl@bn-wuerzburg.de

 

Hintergrundinformation: BUND Naturschutz (BN)
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