Alte Mainbrücke: Das neue Schild trägt nicht zur Konfliktlösung bei!

Die Verkehrsverbände ADFC, VCD, AG Radverkehr (Agenda 21) und der Bund Naturschutz lehnen das neue, nur an Radfahrende gerichtete Schild "Zu viel Leut', da schieb ich heut'!" auf der Alten Mainbrücke ab. Sie wollen einen fairen Umgang unter aller "Brückennutzern" erreichen und nicht einseitig eine Nutzergruppe an den Pranger gestellt sehen.

 

So könnten sich die Radverkehrsorganisationen und der Bund Naturschutz ein Schild an der Alten Mainbrücke vorstellen. Achtung: Fotomontage – das Schild ist noch Wunschdenken, die Realität sieht anders aus. (Gestaltung und Fotomontage: Jochen Kleinhen

27.03.2017

„Dieses Schild löst den Konflikt nicht, sondern trägt eher noch dazu bei, dass sich die Konflikte
verstärken“, sagt Thilo Wagenhöfer, Vorstandsmitglied im Kreisverband Würzburg des ADFC.
„Der einseitige Appell an Radfahrende ermutigt in der Brückenmitte Stehende, das Absteigen zu
erzwingen – sie brauchen ja nur auf das Schild zu verweisen.“
„Schiebende Radfahrer brauchen doppelt soviel Platz wie langsam fahrende“, meint Hans-
Jürgen Beck, aktiv in den Radverkehrsorganisationen und Vorstandsmitglied beim Bund
Naturschutz. „Wieso wäre damit eine Verbesserung der Situation erreicht?“
„Es wäre viel logischer, wenn alle Brückennutzer um Rücksicht gebeten werden und nicht nur
die Radfahrenden“, ergänzt Bas Bergervoet, Sprecher der AG Radverlehr der Lokalen Agenda
21. „Auch Radfahrende und Mitglieder der Radverkehrsorganisationen trinken gerne einmal
einen Wein auf der Brücke, Rücksichtnahme muss von allen Seiten kommen.“
Entgegen der ursprünglichen Beteuerungen der Stadt, mit Kontingentierung der ausgegebenen
Gläser oder patrouillierenden Sicherheitsdiensten auf der Brücke für Ordnung zu sorgen, zeigt
sich in der Realität, dass diese Maßnahmen nicht greifen. Nicht etwa, weil sie nicht wirkungsvoll
wären, sondern weil sie kaum durchgeführt und nicht kontrolliert werden. Der Vorstoß zweier
Stadträte im Sommerloch 2016, die Alte Mainbrücke vollständig für den Radverkehr sperren zu
lassen, wurde vom Ferienausschuss des Stadtrates eindeutig und klar abgelehnt, nämlich mit
12:5 Stimmen (und nicht, wie fälschlich behauptet, mit „knapper Mehrheit“ von 7:5).
„Wieder einmal wird verdeutlicht wie weit Würzburg noch von Fahrradfreundlichkeit entfernt ist“,
kommentiert Armin Amrehn, Vorsitzender der Kreisgruppe Würzburg des Bund Naturschutz.
„Soll man nun dankbar dafür sein, dass nicht gleich ein Verbot ausgesprochen wurde, sondern
erst einmal ein freundlicher Appell?“
„Nicht nur für Radfahrende, sondern auch für Fußgänger, insbesondere Eltern mit Kinderwägen,
Rollstuhlfahrer und Passanten mit großen Einkaufstaschen ist bei schönem Wetter kaum ein
Durchkommen“, ergänzt Christian Loos, Vorsitzender des VCD, Kreisverband Mainfranken-
Rhön. „Warum nicht einfach eine Gasse in der Mitte der Brücke frei lassen und langsam
fahren?“

Diese Idee greift ein Entwurf auf, den Jochen Kleinhenz, Grafiker und Mitarbeiter bei der AG
Radverkehr, gestaltet hat. „So oder so ähnlich könnte ein Schild aussehen, das die Situation für
alle aufzeigt und alle anspricht“, appelliert er an die Vernunft der Stadtverantwortlichen. Der
Entwurf wurde Oberbürgermeister Schuchardt bereits vorgelegt.

Würzburg, 24.03.2017


Hans-Jürgen Beck, hajue@beckbollwitte.de (Vorstandsmitglied Bund Naturschutz - KG
Würzburg, Vorstandsbeisitz ADFC – KV Würzburg, Mitglied im Radverkehrsbeirat Stadt
Würzburg),
Jochen Kleinhenz, kleinhenz@kleinhenzgrafischesbuero.de (Mitarbeiter AG Radverkehr,
Mitglied im Radverkehrsbeirat Stadt Würzburg).
für den ADFC, Kreisverband Würzburg: Thilo Wagenhöfer, Vorstandsmitglied,
für den VCD, Kreisverband Mainfranken-Rhön e.V.: Dr. Christian Loos, Vorsitzender,
für den Bund Naturschutz in Bayern e.V., Kreisgruppe Würzburg: Armin Amrehn, Vorsitzender,
für die AG Radverkehr in der Lokalen Agenda 21 Würzburg: Bas Bergervoet, Sprecher.